Waren Sie gestern auch dabei als die Ecuadorianer für die erste Überraschung im Turnier sorgten? – Nein, waren sie nicht? Ist auch nicht so schlimm, denn aufregend oder schön anzusehen war es wahrlich nicht, was die beiden Favoriten auf Platz zwei in der Gruppe A anzubieten hatten. Immerhin, zumindest bei Ecuador schien die Unaufgeregtheit Methode zu haben. Man könnte auch sagen, die Mannschaft wusste was sie tat. Das ist an sich noch nicht viel und reicht auch normalerweise nicht aus um ein Spiel zu gewinnen, aber es war wesentlich mehr als die Polen zustande brachten.

Das Team von Trainer Janas war ratlos, wie sie das Spiel gegen eine ecuadorianische Mannschaft gestalten sollten, die nur selten von ihrer taktischen Marschroute abzubringen war. Vor dem Spiel standen die Vorzeichen eigentlich umgekehrt. Die Experten waren sich weitestgehend einig, dass Polen, das in der Qualifikation zur WM noch durch mannschaftliche Geschlossenheit geglänzt hatte, der stärkste Gruppengegner der deutschen Elf sein würde. Ecuador sollte angeblich nur in den Höhenlagen ihrer südamerikanischen Heimat zu guten Leistungen fähig sein, "hier unten" im deutschen Flachland sei die Luft für die Andenkicker zu dick. Pustekuchen!

Ohne große Mühe und taktisch sowie kämpferisch gut eingestellt bot die Mannschaft vom stets finster dreinschauenden Trainer Luis Suárez eine souveräne Leistung. Mit seiner Spielweise erinnerte das Team zeitweise an deutsche Mannschaften früherer Tage. Nicht viel gezeigt, trotzdem gewonnen - nächstes Spiel bitte. Überhaupt, falls die deutschen Spieler sich den Auftritt ihrer nächsten Gegner angeschaut haben sollten, könnten sie einiges zum Thema taktische Diszipliniertheit und Umsetzung von Spielvorgaben gelernt haben. Falls nicht droht am 20. Juni praktischer Anschauungsunterricht, wenn Deutschland in Berlin auf die "Tricolor" trifft.

Vielleicht hat das Spiel aber dann auch schon keine Bedeutung mehr, vorausgesetzt Ecuador bestätigt die Leistung des gestrigen Abends mit einem Sieg gegen Costa Rica und Deutschland gewinnt sein Duell gegen Polen, das jetzt schon mit dem Rücken zur Wand agieren muss. Die größte Verwunderung herrschte wohl bei den polnischen Fans, allen voran der ehemalige Boxweltmeister Dariusz Michalczewski, die mit breiter Brust nach Deutschland gereist waren und sich gedanklich schon an die Erfolge von 1974 anknüpfen sahen, als Polen den dritten Platz bei der WM belegen konnte.

Danach sah es in Gelsenkirchen wirklich nicht aus. Kommt jetzt die Trotzreaktion im Spiel am Mittwoch? Man mag es bezweifeln, zu trostlos das Auftreten am gestrigen Abend. Aber vielleicht gelingt den Polen gegen die löchrige deutsche Abwehr immerhin ein Tor, denn stärker als Costa Rica ist das Team von Trainer Pawel Janas wohl immer noch einzuschätzen. Ecuador hingegen wird für Deutschland sogar zu einem echten Prüfstein.

Wer in die Augen von Trainer Luis Suárez geblickt hat, wird wissen, dass dieser Mann nicht nach Deutschland gereist ist um Geschenke zu machen. Selbst der Spiel entscheidende Treffer zum 2:0 entlockte dem Mann nicht den Anflug eines Lächelns, und Jubelorgien á la Klinsmann/Löw scheinen ihm völlig fremd. Nur Ukraines Trainerlegende Waleri Lobanowski blieb bei Toren unberührter. Das ist im Übrigen auch die einzige Gemeinsamkeit mit seinem Gegenüber auf Seiten Polens. In der Arena "Auf Schalke" gab es für Polens Trainer Pawel Janas nämlich überhaupt nichts zu Lachen.

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