Nach drei Monaten steht der längste Ärztestreik der deutschen Geschichte vor seinem Ende. Der Marburger Bund (MB) und die Länder haben mit einer Einigung auf mehr Lohn und begrenzte Bereitschaftsdienste für die 22.000 Uniklinik-Ärzte ihren zähen Tarifkonflikt beigelegt. "Wir schreiben hier heute Tarifgeschichte, weil damit erstmals der Marburger Bund als eigenständiger Tarifpartner der Länder anerkannt ist", sagte der MB-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery nach rund fünfstündigen Verhandlungen in Berlin. "Wir haben aber auch zwei schwere Kröten schlucken müssen", räumte er ein. Junge Ärzte und Mediziner in Ostdeutschland werden künftig schlechter bezahlt als vom MB gefordert.

Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), sagte: "Wir freuen uns, dass der Marburger Bund heute unser Angebot angenommen hat." Vom MB geforderte weitere Verhandlungen über einzelne Punkte - vor allem 100 Euro mehr für junge Ärzte - hatte Möllring abgelehnt. Der erste eigene Tarifvertrag der Länder mit den Ärzten sieht für den Westen ein Gehalt von 3.600 Euro im ersten und 3.800 im zweiten Jahr vor, im Osten sind es 3.200 und 3.400 Euro. Dies entspricht einem Angebot der Länder vom 11. Mai, das die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di daraufhin übernommen hatte. Die Einigung hätte bereits früher kommen können, sagte Möllring. Der MB hatte eine Übernahme des ver.di-Abschlusses abgelehnt.

Montgomery betonte: "Wir haben eine ganze Reihe von Dingen erreicht." Im Vergleich zum heutigen Zustand würden die Ärzte deutlich besser bezahlt, bisher massenhaft kostenlos geleistete Mehrarbeit werde endlich vergütet. Über das bisherige Angebot der Länder hinaus beinhaltet der Abschluss eine auf den 1. Juli vorgezogene Geltung, eine um 25 Prozent gestiegene Vergütung von Bereitschaftsdiensten an Feiertagen sowie drei bezahlte Fortbildungstage im Jahr. Der lange Streik habe sich insgesamt "ausgesprochen gelohnt", sagte Montgomery. Ver.di habe nämlich die bereits zuvor in acht Verhandlungsrunden vom MB erreichten Regelungen übernommen.

Nach Auslaufen des Vertrags werde 2008 verschärft über die Löhne verhandelt, kündigte Montgomery an. Außerdem wolle der MB vorgesehene Öffnungsklauseln ausnutzen und bei den Ostländern Verbesserungen durchsetzen.

Montgomery versicherte, die Streiks würden rasch heruntergefahren. Erst nach dem in rund zehn Tagen erwartete Ergebnis einer Urabstimmung könne der Vertrag unterzeichnet werden. Es werde ein "großes Problem" sein, die eigenen Reihen von der Einigung zu überzeugen. Am Knackpunkt der geforderten 100 Euro mehr für junge Ärzte habe der MB den historischen Abschluss nicht platzen lassen wollen.

Die durchschnittliche Steigerung könne nicht beziffert werden, sagte Montgomery. Für Berufsanfänger bringe der Vertrag 15 bis 17 Prozent mehr, für einen Oberarzt 20 Prozent. Von ihrer Forderung nach 30 Prozent mehr Lohn war der MB bereits vor Wochen abgerückt. Möllring sagte, er habe auch auf die Interessen der Steuerzahler und Krankenkassen Rücksicht nehmen müssen.