Das Debakel um die Verzögerungen beim Bau des neuen Großflugzeugs Airbus A380 hat das Vertrauen der Investoren in Europas führenden Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erschüttert. Der Verdacht von Insidergeschäften geht um, und zusätzlich werden Vorwürfe über eine Vertuschung der Produktionsprobleme laut. Inzwischen hat die französische Börsenaufsicht AMF Ermittlungen im Zusammenhang mit den jüngsten Aktienbewegungen und möglichen Insidergeschäften bei EADS eingeleitet.

Die Behörde teilte am Freitag mit, bereits "seit mehreren Wochen" dem Handel mit EADS-Aktien nachzugehen. "Die allerjüngsten Ereignisse werden im Rahmen dieser Untersuchung geprüft", hieß es in der kurzen Erklärung. Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin kündigte an, den Handel mit EADS-Aktien unter die Lupe zu nehmen. Dabei handle es sich um eine Routinemaßnahme, wie bei solchen Kursausschlägen üblich.

EADS hielt dem Insiderverdacht entgegen, die Top-Manager dürften ihre Aktienoptionen nur in vier Perioden von jeweils drei Wochen im Jahr ziehen. Bei einem dieser Zeiträume vom 8. bis 28. März 2006 hätten sechs Manager ihre Optionen genutzt. Nach den EADS-Regeln dürften die Manager dabei keine Insiderkenntnisse haben und die Aktiengeschäfte müssten von einem internen Kontrolleur gebilligt werden. Dies entspreche den gesetzlichen Regeln in Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden.

Haben Manager und Großaktionäre der Airbus-Muttergesellschaft zynisch Kasse gemacht, bevor sie die Märkte über das Ausmaß der Milliarden teuren Probleme informierten und der Absturz der EADS-Aktie unvermeidlich wurde?

Airbus hatte am Dienstagabend überraschend weitere Verzögerungen bei der Auslieferung des weltgrößten Passagierflugzeugs A380 und eine Streckung der Produktion angekündigt. Das Unternehmen erwartet, dass die Verzögerungen erst ab 2010 aufgeholt werden. Gleich am folgenden Börsentag, dem Mittwoch, stürzte die EADS-Aktie um 26,32 Prozent auf 18,73 Euro ab. Kunden reagierten verärgert und verlangten Schadenersatz. Abbestellungen gibt es nach Auskunft von Airbus bislang jedoch nicht. Bis Freitag erholte sich die Aktie nur wenig und notiert zum Börsenschluss knapp unter 20 Euro.

Vor dem Bekanntwerden der Verzögerungen, im März und April, haben der frühere Airbus-Chef Noël Forgeard und einige Großaktionäre millionenschwere Aktienpakete verkauft. Nun fordern Politiker und Öffentlichkeit Aufklärung. Der Kleinaktionärsverband ADAM verlangt eine Untersuchung der Aktienverkäufe durch die Börsenaufsicht, und auch der sozialistische französische Abgeordnete Gérard Bapt schließt sich dem an. Es gehe um den "Ruf der Führungsspitze des Unternehmens" mit großer Bedeutung für den Raum Toulouse, dem Zentrum der Airbus-Produktion in Frankreich, sagte Bapt.

Das Unternehmen versucht derweil, dem Eindruck einer gezielten Manipulation entgegenzuwirken. Airbus-Sprecher David Voskuhl versicherte, das Ausmaß der Produktionsprobleme beim A380 sei auch für Airbus "sehr neu". Sein Kollege, der EADS-Sprecher Christian Poppe, sprach von einem neuen "industriellen Fertigungsproblem". Bis vor kurzem sei es noch wegen Retuschen am Flugzeugkonzept um eine etwaige Verschiebung des Starttermins gegangen, doch dieser könne nun eingehalten werden.

"Das ist ein sehr kompliziertes Flugzeug, wenn man sich die ungeheure Breite des Programms vor Augen führt", sagte EADS-Co-Chef Forgeard. "Es gab einen Engpass, und die Alarmglocke hat nicht zur richtigen Zeit funktioniert." Sehr spät erst hätten die Teams darüber informiert.