Bei der Fußball-WM ist es wie bei vielen großen Turnieren: Einige Mannschaften spielen so gut wie erwartet, andere dienen erwartungsgemäß eher als besserer Trainingspartner. Andere können die hochgesteckten Erwartungen von Fans und Fachwelt nicht erfüllen. Das sind die interessantesten Teams.

Während der Spiele dieser Mannschaften waren Tränen zu sehen, gestandene Männer, die sich die Haare rauften und die Welt nicht mehr verstanden. Und nach Spielende traten im Fernsehen die unvermeidlichen Experten auf, die das Ganze ja schon immer hatten kommen sehen. Vor allem im Rückblick. Da geht es den Fußballfachleuten nicht anders als den Börsenexperten.

Zu beobachten ist dies derzeit sehr schön an den Finanzmärkten. Der Dax ist in einem Monat so stark gesunken wie seit März 2003 nicht mehr. Was hört man von den Finanzmarktexperten? Dass der Einbruch überfällig war. Das wirft die Frage auf, warum etwa die meisten Fonds im gleichen Zeitraum ebenfalls stark an Wert verloren haben. Denn wenn der Kursrückgang wirklich überfällig und damit auch vorhersehbar war, dann hätten doch die Fondsmanager, die ihn kommen sahen, durch eine geschickte Reaktion im Vorfeld den Wertverfall ihrer Portfolios verhindern müssen. Doch den wenigsten gelang dies. Die meisten waren dem Kursrückgang ungeschützt ausgesetzt.

In der Behavioral Finance ist dieser Effekt unter dem Begriff Hindsight Bias bekannt. Darunter versteht man den Urteilsfehler von Menschen, die nach dem Eintritt eines Ereignisses sicher sind, es schon zuvor erwartet zu haben. Nur: Leider ist ihnen diese Vorsehung meist nicht gegeben. Sie werden vom Eintritt des Ereignisses überrascht und versuchen, ihre Unkenntnis schön zu reden.

Ob die Experten die derzeitige Situation an den Finanzmärkten realistischer einschätzen? An dieser Stelle wurde bereits mehrfach auf folgendes Phänomen aufmerksam gemacht: Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Kursverfalls wuchs, je weiter die Kurse fielen. Landläufig nennt man das auch das Pfeifen im dunklen Wald. Je dunkler es wurde, desto lauter das Pfeifen. Das ist verständlich, denn vergleichbar mit der Situation im Fußball stirbt auch an den Märkten die Hoffnung zuletzt. Aber ist diese Hoffnung auch gerechtfertigt?

Die ersten Broker haben in der vergangenen Woche ihren Kunden bereits mitgeteilt, dass die Gelegenheit nun günstig sei zu kaufen. Der Boden sei erreicht. Tatsächlich erholten sich die Märkte am Donnerstag wieder. Allerdings war am vergangenen Freitag Hexensabbat , der dreifache Verfallstermin der Aktienderivate. Im Umfeld dieser Tage versuchen viele Marktteilnehmer häufig, die Kurse in eine Richtung zu bewegen, die ihrer Positionierung entgegenkommt. Nach einem ausgeprägten Kursrückgang ist dann häufig festzustellen, dass sich die Märkte entgegen des zuletzt vorherrschenden Trends bewegen.