In den ersten beiden Gruppen ist die Vorrunde beendet. Erste sportliche Bilanzen werden gezogen.

Je nach Perspektive aber scheint sich auch das Spiel selbst zu verändern. Es kann entweder das individuelle Drama, der Frust der Ausgewechselten oder die Freude der Torschützen im Zentrum der Wahrnehmung stehen oder die Raumaufteilung und Strategie, die Debatte über Laufwege und das Verschieben der Abwehr. Zeit also auch für eine erste Bilanz des Zuschauens.

In der Kneipe ist es eng, man sieht vom Spiel vergleichsweise wenig und die Luft ist stickig. Rufen und Johlen gibt es ausreichend, gute Sprüche und Gespräche kaum.

Sehr schön ist es zu Hause. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man das Heim wirklich als Raum der Privatheit nutzt, als Ort des konzentrierten Sehens. Wenn man sich überdies weitgehend auf das Spielgeschehen beschränkt, dazu noch ein paar Interview-Schnipsel mitnimmt, etwas Netzer/Delling oder Jürgen Klopp, und das viele Drumherum weitläufig umgeht, bekommt man fußballerisch viel geboten.

Die TV-Perspektive ist oft etwas ungewohnt, weil die Totalen für unsere Sehgewohnheit meist zu total sind, die Umschnitte zur seitlichen Kamera jäh, aber eine Mischung aus Nähe und Überblick ist gleichwohl möglich. Kundige Kleingruppen können den Sport gut nachbereiten. Nur einen Fehler sollte man vermeiden: das heimische Schauen als Mini-Public-Viewing zu inszenieren. Das wird peinlich oder halbherzig – etwa so reizvoll wie Mini-Golf oder Pokern ohne Einsatz.

Das Public-Viewing markiert ja den Geist der Stunde. Hier ist angeblich der wahre Fan anzutreffen, zumindest wenn er keine Eintrittskarten abbekommen hat. Hier herrscht die allgemeine Freude und Freundlichkeit. Es ist laut und bunt. Der Jubel ist auf das Spiel bezogen. Aber nicht nur. Oft ist das Gedränge dicht. Die Körper sind sehr nahe beieinander. Das mag man nicht immer. Die Masse ist an den Rändern offen, zerstreut sich leicht. Viele wissen wenig von Fußball. Fans pflegen die Fan-Darstellung, die Kostümierung, den Wunsch noch in der farblichen Uniformität zugleich besonders originell zu sein. Ein großer Teil der Freude besteht darin, das Massenerlebnis selbst zu feiern. Da mischen sich Fußball, Karneval, CSD und Weltjugendtag: etwas betrunkener, etwas nackter. Im Fußballdeutsch ist das "Euphorie". Vom Anlass kann sie sich loslösen. Das Fußballwort, demzufolge sich "wildfremde Menschen in den Armen liegen", wirkt dann mindestens unangenehm.