Neue Töne aus Washington: "Der Präsident wäre gern in der Lage, Guantánamo zu schließen", sagt John Bellinger, Rechtsberater der US-Außenministerin, dem Wiener Standard. George W. Bush habe nämlich "anerkannt, dass hier Schaden angerichtet wurde". Sein Problem: Einerseits drohe manchen Internierten in ihren Heimatstaaten unmenschliche Behandlung (etwa in China). Andererseits weigerten sich manche Staaten, die Häftlinge zurückzunehmen, weil das mit jahrelanger polizeilicher Überwachung und daher mit Kosten verbunden sein könnte.

 Armer Bush! Da will er sich dem Druck der besorgten Welt beugen – und steht wieder allein da. Was tun? Am Rande des EU-USA-Gipfels, der diese Woche in Wien stattfand, unterbreitete der UN-Berichterstatter über die Folter, Manfred Nowak, einen gewagten, aber durchaus überzeugenden Vorschlag: Europa, das so lange zauderte, das US-Lager mit einer Stimme zu verdammen – und es kurz vor dem Wiener Gipfel endlich tat –, solle jenen Häftlingen, die weder angeklagt noch rückgeführt werden können, Asyl gewähren. Gute Idee! So könnte Europa zeigen, ob es die Grundrechte jener, die vier Jahre unschuldig eingesperrt wurden, tatsächlich garantieren will – oder doch nur hohle Phrasen drischt. Freiwillige vor!