Der Nuklearkonflikt mit Iran geht – wieder einmal – in eine sensible Phase. Bis zum 29. Juni erwarten die fünf Vetomächte des UN-Sicherheitsrates und Deutschland eine Antwort auf die Vorschläge , die EU-Chefdiplomat Javier Solana in Teheran überreicht hat. Irans Präsident Ahmadineschad hat das Angebot als einen „Schritt nach vorn“ bezeichnet. Jetzt wird hinter den Kulissen heftig gerungen, unter welchen Voraussetzungen formelle Verhandlungen beginnen können.

Positiv sei, sagt ein hochrangiger iranischer Politiker im Hintergrundgespräch mit ZEIT online , dass durch das Angebot der Sechs „die Atmosphäre des Druckes und der Drohung gemildert worden“ sei. Es gebe aber einige „unklare Dinge“, über die diskutiert werden müsse. So knüpften die Sechs den Eintritt in Verhandlungen an die Forderung, Iran müsse zuvor seine Urananreicherung suspendieren. Gelte das, fragt der iranische Politiker, auch für Forschung und Entwicklung?

„Unser Volk kann nicht akzeptieren, dass es auf Forschung und Entwicklung verzichten soll“, sagt er. „Iran ist nicht bereit, eine solche Diskriminierung hinzunehmen.“ Schließlich hätten alle Länder, die dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten seien, nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Dazu gehöre die friedliche Nutzung der Kernenergie. „Im Augenblick glaubt Iran, dass der Westen uns abhängig halten will.“

„Wir wollen selbst Kraftwerke bauen können.“ Noch im Laufe des Jahres 2006 solle es eine Ausschreibung zum Bau eines Leichtwasser-Reaktors geben. Das Parlament habe beschlossen, dass Iran innerhalb von zehn Jahren eine Energieleistung von 20.000 Megawatt in Kernkraftwerken erzeugen solle. „Einen Teil des Brennstoffes wollen wir selbst produzieren, einen Teil wollen wir importieren.“ In den Gesprächen könnten Forschung und Entwicklung bei der Urananreicherung definiert werden. Nur eins stehe fest: „Wir wollen nicht auf ewig bei der Forschung bleiben.“

Auch Iran gehe es darum, Misstrauen abzubauen, beteuert der Gesprächspartner von ZEIT online . Deshalb habe man ja auch das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde Zugang zu zwölf Atomanlagen gestattet. Die Spuren hochangereicherten, waffenfähigen Urans, welche die IAEA-Inspektoren dabei fanden, hätten mit einer Anreicherung im Iran nichts zu tun. Diese Spuren würden vielmehr „auf alte Zulieferungen zurückzugehen, die wir aus zweiter Hand gekauft haben“.

Aus zweiter Hand? Aus Pakistan also, woher die von Iran für die Urananreicherung benutzten Zentrifugen kommen? „Wir wussten selber nicht, dass sie aus Pakistan stammten. Wir haben die Zentrifugen in Dubai gekauft.“ Auf dem freien Markt also? Der Iraner lächelt: „Das ist kein freier Markt, sondern ein schwarzer Markt.“ Deutsche und Schweizer Geschäftsleute hätten das Geschäft vermittelt.