Ein Thema aus den Leserzuschriften der vergangenen Wochen möchte ich gesondert aufgreifen, weil es anders als viele konkrete Anfragen eher eine allgemeine politische und wirtschaftliche Ebene anspricht. Vergessen Sie allerdings nicht, mir Ihre Probleme und Fragen, die Ihnen zu Ihrer persönlichen Altersvorsorge auf dem Herzen liegen, zu mailen. Denn in dieser Kolumne sollen konkrete Tipps und geldwerte Ratschläge gegeben und weniger Grundsatzdiskussionen über die Rente geführt werden. Heute will ich aber mal eine Ausnahme machen.

Ein Leser schrieb, dass er die Debatte um die Altersversorgung nicht mehr hören könne. Deutschland mangele es schließlich an Binnennachfrage, da zuwenig Geld für den Konsum da sei. Zudem könnten untere Einkommensschichten gar nicht genug sparen, um ausreichend eigenes Geld im Alter zu haben. Er plädiert daher für einen Spitzensteuersatz von 50 Prozent und eine Vermögensbesteuerung, um mehr Steuermittel in die Rentenkasse fließen zu lassen, und die Einführung einer Höchstrente, um das Niveau der niedrigen Renten anheben zu können. Von einer Privatrente hält er dagegen wenig, da deren Kosten durch der Verwaltungsaufwand und den Gewinn, den die Anbieter dabei abschöpfen, unverhältnismäßig hoch seien.

Tja, damit werden viele Aspekte angesprochen. Im Kern geht es aber darum, ob die Deutschen die Probleme in den Sozialversicherungssystemen mit mehr oder weniger Staat lösen wollen. Dabei spricht der Leser das generelle Problem bei einem Mehr an Staat bereits selbst an: Was der Staat den Bürgern auf der einen Seite wegnimmt, "fehlt" auf der anderen Seite der Wirtschaft, weil es weder gespart wird und damit für Investitionen zur Verfügung steht, noch ausgegeben wird. Es "versickert" irgendwo in den öffentlichen Haushalten und einem teuren und zugleich riesigen Bürokratieapparat, der Geld oft genug für vollkommen unsinnige Projekte verschleudert.

Es ist schließlich ein Irrglauben, der Staat können mit Geld besser umgehen als seine Bürger. Wer dieser Ansicht ist, braucht nur einmal den jährlichen Bericht des Bundesrechnungshofes zu lesen, in dem fein säuberlich Dutzende Projekte aufgelistet werden, bei denen Politiker und Beamten das Geld der Bürger verschwendet haben. Die Rentenversicherung, namentlich die einzelnen Rentenversicherungsträger, entwickelt sich darüber hinaus zu einem Verwaltungsungetüm, das zwar vielen Menschen beschäftigt, aber Milliarden verschlingt – Kosten, mit denen kein privater Anbieter überleben würde.

Dazu kommt staatliche Bürokratie und Überregulierung, wo man nur hinschaut. Privates Angebot und Wettbewerb werden so in bestimmten Bereichen verhindert beziehungsweise zurückgedrängt und damit Leistungen unnötig teuer. Bestes Beispiel: unser Gesundheitssystem.

Natürlich fließt ein Teil des staatlich vereinnahmten Geldes auch wieder zurück an die Bürger. Aber auch an die, die es wirklich benötigen? Und reicht dieses derart verteilte Geld wirklich, um den privaten Konsum anzukurbeln oder damit die Empfänger davon etwas auf die hohe Kante legen können? Wohl kaum. Man denke nur einmal an einen durchschnittlichen Bezieher von Hartz-IV-Leistungen. Viel mehr, als man zu Anfang prognostiziert hat, bekommen diese staatliche Leistung, aber im konkreten Einzelfall reicht sie vorne und hinten nicht. Das ist doch paradox!

Meiner Meinung nach wird bei der ganzen Diskussion Ursache und Wirkung vertauscht. Die erfolgreichen Beispiele in anderen Ländern zeigen, dass es nur helfen kann, den Kuchen größer zu machen, anstatt über die Verteilung der immer kleiner werdenden Stücke bis aufs Messer zu streiten. Ich habe kein Patentrezept, aber die Steuern zu senken, Sozialversicherungsbeiträge einzufrieren, Bürokratie und staatlichen Einfluss beziehungsweise Regulierungen so weit wie möglich zurückzudrängen und nicht zuletzt die Löhne in vielen Bereichen deutlich zu senken, sind aller Erfahrung nach durchaus taugliche Maßnahmen, um die Wirtschaft ordentlich und dauerhaft in Schwung zu bringen – und auf diese Weise dringend benötigten Arbeitsplätze zu schaffen. Denn an einer ökonomischen Grundregel wird kein Politiker und Renten- und Sozialreformer vorbeikommen: Nur das Geld, das mit aller Hände Arbeit erwirtschaftet wird, kann auch ausgegeben beziehungsweise verteilt werden.