Schon Stunden vor dem Anpfiff haben am Dienstag mehr als hunderttausend Fans dem Spiel Deutschland gegen Ecuador in Berlin entgegen gefiebert. "Es ist voll", berichtete ein Senatssprecher am Mittag von der Berliner WM-Meile. Schon am Morgen zogen die ersten Schlachtenbummler mit Nationaltrikot und Deutschlandflagge durch die Stadt. Die Erwartungshaltung der Fans nach den ersten beiden Spielen ist hoch - genau wie die von Jürgen Klinsmann.

Ob mit oder ohne Rotation: Mit dem ersten Auftritt von Deutschland im Berliner Finalstadion will der Bundestrainer gegen die Höhenflieger aus Ecuador das erste Endspiel gewinnen und die schwarz-rot-goldene WM-Party mit dem Gruppensieg weiter anheizen. Trotz des Pokers um die Aufstellung der Elf setzte er am Montag den dritten Sieg als Priorität. "Wir wollen Ecuador schlagen und Gruppensieger werden. Im Achtelfinale wird jedes Spiel ein Krimi, da wollen wir mit breiter Brust reingehen", betonteder Bundestrainer. Unterstützung erhielt er von "Kaiser" Franz Beckenbauer: "Da gibt es kein Zögern und Zaudern. Da wird volle Pulle nach vorne gespielt."

Wie sehr Klinsmann in seiner WM-Mission auf die Unterstützung der Fans setzt, demonstrierte eine Live-Schaltung zu den deutschen Soldaten in Afghanistan nochmals klar und deutlich. Der Titeltraum soll von allen Deutschen gelebt werden - die Meile der Fans soll um die ganze Welt gehen. "Wir wollen euch noch so viele Spiele wie möglich bieten", rief Klinsmann der Bundeswehr-Abordnung in Kabul zu. Den 72.000 Zuschauern im Olympiastadion versprach er für das letzte Gruppenspiel ein weiteres Fest. "Wir wollen dem Berliner Publikum ein mitreißendes Spiel liefern."

Ein Start mit drei Siegen, den es in der ruhmreichen deutschen Geschichte bislang nur bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko unter Helmut Schön gegeben hatte, ist Klinsmann wichtiger als die Spekulationen um die möglichen Gegner England, Schweden oder Trinidad und Tobago - sowie das mögliche Viertelfinale gegen Argentinien oder die Niederlande.

Es gilt, auf der Welle der Euphorie weiter zu reiten und als Erster der Gruppe A den "Königsweg" durch die drei größten Arenen München (Achtelfinale), Berlin (Viertelfinale) und Dortmund (Halbfinale) weiterzugehen. "Das möchten wir weiterführen. Wir fühlen uns wohl in diesen Stadien", erklärte Klinsmann zu den Planspielen.

Um Ecuador auf Platz zwei zu verweisen, muss die deutsche Elf gegen die punktgleichen Südamerikaner gewinnen. In Video-Sitzungen mit einzelnen Mannschaftsteilen wurden die deutschen Spieler am Montag auf die Spieler aus den Anden eingestellt: "Das wird eine harte Partie, da gibt es auf die Socken", meinte der Coach.

Der Bundestrainer orakelte noch vor der Bekanntgabe der Aufstellungen: "Wir überlegen zum einen, welche Spieler unbedingt den Rhythmus brauchen, um drin zu bleiben. Welche Rolle spielt die Vorbelastung mit den gelben Karten? Und die dritte Komponente ist: Kann man eventuell noch einem Spieler, der bislang nicht zum Einsatz gekommen ist, dieses Spiel geben?" Beckenbauer riet, höchstens "angeschlagene Spieler" zu schonen.

Klinsmann schien diesen Ratschlag zu beherzigen und stellt Robert Huth in der Abwehr auf. Der Innenverteidiger kommt gegen die Südamerikaner für Christoph Metzelder zum Zuge. Metzelder ist mit einer Gelben Karte vorbelastet und laborierte zuletzt an einer leichten Knieverletzung. Michael Ballack wird trotz der belastenden gelben Karte heute auflaufen.

Aufbauende Worte gab es im Abschlusstraining für die Sorgenkinder Arne Friedrich und Lukas Podolski. "Für uns steht Arne nicht zur Disposition", sagte Klinsmann, der abermals betonte, dass die sportliche Leitung den Berliner an seiner Defensivleistung messe. "Wir setzen auf seine Stärken. Die sind nicht rechtsaußen, sondern als Rechtsverteidiger."