Nicht nur in der Union scheppert es, seit sich einige CDU-Politiker ans Ehegattensplitting machen wollen. Generalsekretär Ronald Pofalla hat den Vorschlag eingebracht, das Ehegattensplitting zu einem Familiensplitting umzubauen; ein Teil der steuerlichen Vorteile für Ehepaare ohne Kinder soll dadurch auf Familien mit Kindern umgeschichtet werden. Die Unterstützung der Kanzlerin ist ihm sicher: Angela Merkel hat im ZDF erklärt, Eheleute, die sich zusätzlich für Kinder entschieden, sollten steuerlich gefördert werden. Es gehe jedoch nicht um eine völlige Abschaffung des Ehegattensplittings; die Ehe werde auch weiterhin unter besonderem Schutz stehen.

Edmund Stoiber, CSU-Chef und braver Familienvater, warnte die Schwesterpartei dennoch vor "falschen Signalen" und fügte hinzu: "Diese klare Position steht nicht zur Disposition." Die Ehe ist nach Stoibers Worten "ein Wert an sich". Nicht nur Stoiber wehrt sich gegen Änderungen beim Ehegattensplitting, auch in der SPD gibt es Stimmen, die sich gegen das Familiensplitting wehren. Was meinen die Medien dazu?

Der Vorstoß aus der Kanzlerecke sei "längst überfällig", schreibt die Frankfurter Neue Presse . Nicht die kinderlosen Ehepaare dürften gefördert werden, sondern die Familien. Eine Meinung, die der Generalanzeiger Bonn teilt: "Das Ehegattensplitting im deutschen Steuerrecht ist ein gutes Beispiel für die Notwendigkeit, Gesetze zu befristen, um gezwungen zu sein, ihren Sinn zu überprüfen." Fast 50 Jahre lang erfreue "diese Steuervergünstigung nun schon deutsche Ehepaare, auch wenn sie keine Kinder haben." Deshalb sei der Ansatz des CDU-Generalsekretärs richtig - und im besten Sinne konservativ. "Es geht eben nicht darum, das Menschenbild der Union umzukrempeln. Es geht darum, ihm im Steuerrecht wieder zu Wirkung zu verhelfen, die Bildung von Familien zu befördern."

Dass jetzt ausgerechnet eine Große Koalition dieses "Heiligtum konservativer Familienpolitik und sozialdemokratischer Besitzstandswahrung" zur Disposition stellen wolle, sei ein politisches Kuriosum, schreibt die Berliner Zeitung . Schließlich wurde das Ehegattensplitting noch nicht einmal von Rot-Grün angetastet. Dies liege an einem Bewusstseinswandel bei den nun nicht mehr so konservativen Konservativen. Auch sie leben nun teilweise in Patchworkfamilien. Und so meint die Berliner Zeitung : "So scheint das Sein dann doch gelegentlich das Bewusstsein zu bestimmen. Na sagen wir mal, anzuhauchen."

"Die gesellschaftliche Entwicklung hat die einseitige Alimentierung der Hausfrauenehe zum Auslaufmodell gemacht", befindet der Südkurier . "Das werden jene in der Union nicht ändern können, die jetzt als Bewahrer der Traditionsfamilie punkten wollen." Schließlich seien selbst in  der Unions-Parteibasis die lebenslange Ehe und reicher Kindersegen nicht mehr garantiert.

Für den Mannheimer Morgen ist der ganze Ansatz falsch: "Das Problem vieler Eltern besteht wohl kaum im Neid auf die kinderlosen Paare". Ihr Problem sei vielmehr die Realität des Alltags. Wo können sie beispielsweise den Nachwuchs unterbringen, wenn beide Eltern arbeiten? "Weder Elterngeld noch Familiensplitting noch höheres Kindergeld können die deutsche Misere der Ganztagesbetreuung beheben", schreibt das Blatt . "Zu glauben, man werde mit dem Instrument des Steuerrechts ein gebärfreudiges Klima im Land erzeugen, zeigt doch nur, wie weit die Politik von der Praxis entfernt ist."