Die Börse feierte ein rauschendes Verlobungsfest: Am Tag, an dem Siemens und Nokia die Fusion ihrer Netzwerksparten bekannt gaben, schossen die Aktien der beiden Telekomkonzerne in die Höhe. Mehr als sechs Prozent gewannen die Siemens-Anteile bis zum Handelsschluss an Wert, Nokia-Papiere stiegen immerhin noch um drei Prozent.

Euphorie auch bei einer wirtschaftsnahen Tageszeitung. "Welch ein Coup!" jubelt das Handelsblatt, beeindruckt von "Schnelligkeit und Klarheit" der Fusionsentscheidung: Sie basiere "auf klaren Renditezielen und nichts anderem". Siemens-Chef Klaus Kleinfeld löse durch sie das drängendste Problem des Konzerns und eröffne zugleich seiner Kommunikationssparte durch die Fusion neue Chancen. "Denn erstens spielt Größe in diesem oligopolitischen Markt eine entscheidende Rolle. Zweitens wird die von Nokia dominierte Führungsmannschaft das neue Unternehmen auf Wachstum und Ertrag trimmen."

Chancen durch Marktmacht heißt auch die Devise der Börsen-Zeitung. Ihr Urteil: "Mit dem jetzigen Plan hat die kriselnde Siemens-Sparte Communications eine Zukunft."

Lediglich die Financial Times Deutschland stellt die Frage: Wer zahlt die Zeche? Dabei denkt der Kommentator aber nicht an die Siemens-Arbeitnehmer, die nun um ihre Jobs bangen. Seine Sorge gilt den frisch verlobten Unternehmen. "Wen hat es (Nokia) sich da ins Haus geholt? Eine Firma, die trotz eines enormen Startvorteils bei den letzten Entwicklungen in der Branche den Takt nicht mehr vorgeben konnte und die am Schluss so aufgebläht war, dass nur noch enttäuschende Renditen erwirtschaftet wurden. Nokia wird also eine erhebliche Margenverwässerung für seine bis dato straff und schlank geführte Netzwerksparte in Kauf nehmen müssen." Siemens verlasse das Fest mit praller gefüllten Taschen. Auf lange Sicht könnten aber beide Parteien gewinnen.

So manchem Beobachter verschlägt es allerdings den Atem angesichts der Geschwindigkeit, mit der Vorstandschef Kleinfeld den traditionsreichen Konzern Siemens umbaut. Immerhin ist das Unternehmen aus der Telekommunikation entstanden und groß geworden. Nun ist es auf dem besten Weg, mit diesem Bereich innerhalb eines Jahres rund ein Fünftel seines Umsatzes zu verkaufen, wie die Börsen-Zeitung vorrechnet. Der Bereich besteht aus  den Mobiltelefonen, den Netzen und voraussichtlich dem Geschäft mit Unternehmenskunden.

Skeptisch bleibt auch die Frankfurter Rundschau . "Im Prinzip" - und trotz des Stellenabbaus - "ist die Hochzeit zwischen Nokia und Siemens zwar richtig", kommentiert sie. "Ein Bekenntnis zur Gestaltungsfähigkeit ist das Ganze aber weniger." Kleinfeld könne den harten Schnitt nur rechtfertigen, wenn er nun anderswo Stellen schaffe oder den Konzern "zum Zentrum lukrativer Entwicklungen" mache, schreibt das Blatt, doch dies stehe noch aus. Dem stimmt auch die Börsen-Zeitung zu. Ihr Fazit: "Der Umbau ist kein Wert an sich. Die Ausrichtung auf sogenannte Megatrends muss sich erst bezahlt machen." Ob nun eine kreative Offensive auf die bisherigen Befreiungsschläge von Siemens-Chef Kleinfeld folgt, bleibt abzuwarten.