Man muss sich zunächst klar machen, worum es eigentlich geht: Seit 1958 fördert der Staat in Deutschland steuerlich die Tatsache, dass zwei Menschen miteinander verheiratet sind. Das kostet pro Jahr immerhin gut 20 Milliarden Euro - Geld, dass man womöglich sinnvoller verwenden könnte, wie nun auch immer mehr konservative Politiker finden , zum Beispiel zur Familienförderung und zum allseits geforderten Ausbau der Kinderbetreuung.

Denn das Ehegattensplitting fördert, anders als die Verteidiger behaupten, die immer gerne auf den Schutz von Ehe und Familie im Grundgesetz verweisen, keineswegs Familien, sondern den Ehestand. Ob ein Paar Kinder hat oder nicht, zählt dabei überhaupt nicht. Entscheidend ist alleine der Trauschein. Der steuerliche Vorteil ist dabei umso größer, je stärker der Einkommensunterschied und je höher das Einkommen ist. Am größten ist die Steuerersparnis, wenn einer der Ehepartner - in der Regel die Frau - gar nicht arbeitet. Verdienen beide gleich viel, ist der Vorteil null. Das Ehegattensplitting bevorzugt also die klassische Einverdiener-Ehe - so wie sie, als das Gesetz beschlossen wurde, noch die Norm war, und so wie sie Konservative noch immer am liebsten haben.

Aus liberaler Sicht muss man heute jedoch fragen, ob es überhaupt Sache des Staates ist, bestimmte Lebensformen zu unterstützen. Denn nicht verheiratete Paare gehen bei dieser Steuerförderung leer aus, auch wenn sie Kinder haben, ebenso wie gleichgeschlechtliche Paare. Und dem Ziel, Frauen gleichberechtigt in das Berufsleben einzugliedern, steht das Splitting sogar im Wege. Denn es "bestraft" ja finanziell gerade die Paare, bei denen beide arbeiten und in etwa gleich viel verdienen.

Auch das Hilfsargument, das Splitting helfe indirekt den Familien, weil es Ehen stabilisiere, die nun mal das beste Umfeld für Kindern seien, zieht nicht. Allein wegen des Steuervorteils wird wohl kaum ein Paar zusammenbleiben, wenn Mann und Frau sonst nichts mehr verbindet, und es kann in diesem Fall sogar trotz Trennung für das Finanzamt verheiratet bleiben, um den Steuerbonus weiter zu nutzen, was nicht selten vorkommt.

Wie man es also dreht und wendet, ist das Ehegattensplitting ein überflüssiger Zopf, der bald abgeschnitten, zumindest neu frisiert gehört. So berücksichtigt etwa Frankreich im Rahmen eines Familiensplittings steuerlich alle Mitglieder, die in einer Familie leben, also auch die Kinder. Ein Modell, das die Grünen und die SPD schon lange zur Nachahmung empfehlen. Man kann aber auch dem Rat des Bundesverfassungsgerichts folgen, das schon vor Jahrzehnten dafür plädiert hat, auf eine getrennte Besteuerung umzustellen. Für jedes weitere Familienmitglied gäbe es dann - wie jetzt schon, aber wohl erhöht - einen Steuerfreibetrag. Damit fiele auch das Problem weg, dass wie beim Ehegattensplitting Gutverdiener am stärksten profitieren.

Die guten Argumente gegen das Splitting hindern aber manche Kommentatoren nicht, tief in die Kiste zu greifen, wo sie manch bewährte Argumentationsknüppel aufbewahren. Dabei beschleicht einen der Eindruck, dass es den Verfassern vor allem um die Verteidigung eigener, männlicher Privilegien geht. So schleudert Georg Paul Hefty in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Änderungswilligen entgegen, die Politik wollte wieder einmal in das "Privatleben" hineingreifen - wo es doch eher um das Gegenteil geht. Und er verkneift sich auch nicht denn Hinweis, dass von denen, die jetzt die Abschaffung des Ehe-Privilegs fordern, "auffallend viele keinen Anspruch auf diese steuerliche Anerkennung haben". Dürfen sie sich deshalb zu dem Thema nicht äußern? Geht es wieder einmal, so insinuiert Hefty, um eine Neiddebatte?