Die etwas mehr als fünf Millionen stimmberechtigten Katalanen sind am 18. Juni aufgerufen, über ein neues Autonomiestatut abzustimmen, das ihrer "autonomen Region" (Bundesland) gegenüber der Zentralregierung noch mehr Rechte als bisher einräumt und die Stellung der traditionellen Landessprache (catalán) gegenüber dem Spanischen (castellano) weiter stärkt.

An einer Mehrheit für die neue Landesverfassung besteht kein Zweifel. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf der Abstimmungsbeteiligung. Sollte sie nicht deutlich über 50 Prozent liegen, wäre das nach Ansicht der Betreiber des Statuts, in Barcelona wie in Madrid, "ein Desaster". Die inzwischen zerbrochene Linkskoalition in Katalonien unter dem Sozialisten Pasqual Maragall wäre dann mit ihrem Hauptprojekt gescheitert. Und der Chef der sozialistischen Zentralregierung in Madrid, José Luis Rodríguez Zapatero, der sein ganzes politisches Prestige in den Streit um das Statut investiert hat, wäre politisch blamiert.

Ein solcher Rückschlag würde ihn vor allem bei seiner Dialogstrategie gegenüber den baskischen Separatisten und der Terrororganisation Eta behindern, eine risikoreiche Politik, die von der konservativen Volkspartei PP (Partido Popular) vehement bekämpft wird.

Eben diese Volkspartei, die in Madrid von 1996 bis 2004 unter José María Aznar regiert hat und heute die größte Oppositionspartei ist, fungiert als Hauptgegner des neuen katalonischen Statuts. Zwar hatte ihre konservative Vorgängerpartei im Jahr 1978 im Prozess des Übergangs von der autoritären Franco-Herrschaft zur Demokratie die Verfassung für Spanien abgelehnt. Zapatero erinnerte in der aktuellen Kampagne immer wieder gerne daran (ähnlich, wie in der alten Bundesrepublik die CSU von der sozialliberalen Koalition der siebziger Jahre bei ihren mehrfachen Anrufungen des Bundesverfassungsgerichts gegen Bonner Gesetze mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass das von ihr regierte Bayern dem Grundgesetz nie formell zugestimmt hatte).

Heute tritt die Volkspartei unter ihrem Vorsitzenden Mariano Rajoy umso vehementer für diese Verfassung von 1978 ein, vor allem dann, wenn es um mehr Föderalismus in Spanien geht. Sie fürchtet einen Zerfall Spaniens. In der Schlussphase der katalonischen Kampagne zitierten sie deshalb auch das Vorbild des Balkans, vor allem die Loslösung Montenegros von Serbien. Wird Katalonien das spanische Montenegro?

Die beschworene Gefahr sieht aus wie eine typische Übertreibung, geboren in der Hitze in einer profunden politischen Auseinandersetzung. Aber der Albtraum ist nicht ganz aus der Luft gegriffen und auch keineswegs auf die Volkspartei beschränkt. Hinter vorgehaltener Hand reden in Madrid auch Sozialisten vom "Montenegro-Syndrom".