Der Zusammenschluss von Siemens und dem großen Konkurrenten Nokia umfasst Presseberichten zufolge Unternehmenswerte von rund 25 Milliarden Euro. Die Zustimmung der Kartellbehörden vorausgesetzt, werden beide Telekom-Anbieter ihre Netzwerksparten zu einem Gemeinschaftsunternehmen mit knapp 16 Milliarden Euro Umsatz und 60.000 Beschäftigten verbinden. Nicht nur im Mobilfunkgeschäft, auch in der Festnetzsparte entsteht dadurch ein neues Schwergewicht: Im Festnetzbereich wäre Nokia Siemens Networks, so der Name des neuen Konzerns, die Nummer zwei der Welt.

Die Ziele des neuen Unternehmens sind ehrgeizig: Mittelfristig soll es zum profitabelsten Telekom-Ausrüster werden und schneller wachsen als der Markt, sagte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo auf einer gemeinsamen Pressekonferenz beider Unternehmen zur Fusion.

Vor allem aus der Sicht von Siemens gilt der Zusammenschluss als gutes Geschäft. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld trennt sich dadurch von der schwächelnden Siemens-Kommunikationssparte Com, die ihr Geschäft unter anderem mit dem Verkauf von Telefonanlagen und Dienstleistungen rund um Sprach- und Datenkommunikation macht. Doch billige Konkurrenz aus Asien machte der Sparte das Leben schwer. Zuletzt lag die Marge von Com nur bei 0,8 Prozent - Kleinfeld hatte acht bis elf Prozent als Ziel vorgegeben. Die Fusion mit Nokia rechtfertigte er als "beste denkbare Lösung", um auf die wachsende Konkurrenz sowie das Zusammenwachsen von Mobilfunk und Festnetz mit Informations- und Unterhaltungsangeboten zu reagieren.

Nun steht Com, mit mehr als 55.000 Mitarbeitern die größte und auch die älteste Sparte des Siemens-Konzerns, praktisch vor der Auflösung. Ihr größter und ertragreichster Teil, die Mobilfunknetzen und Festnetzaktivitäten sowie Dienstleistungen, soll in das neue Unternehmen eingebracht werden. Übrig bleiben nur noch zwei weitere Teilbereiche: Der Bereich Wireless Modules, der Bausteine für die Kommunikation zwischen Autos, Computern und anderen Maschinen liefert, soll  bis Oktober in die Sparte Automatisierungstechnik integriert, und der Bereich Enterprises, der auf Telefon-Anlagen für Büros und Unternehmen spezialisiert ist, ausgegliedert werden. Mit Blick auf dieses Ziel verhandelt Siemens nach eigenen Angaben bereits "ernsthaft" mit potenziellen Partnern. 

Durch die Fusion wollen Nokia und Siemens bis 2010 jährlich 1,5 Milliarden Euro sparen. Damit ist auch der Abbau von Stellen verbunden. Eine Siemens-Sprecherin sagte, bis 2010 könnten zwischen 10 und 15 Prozent der Stellen eingespart werden. Es müsse sich aber nicht zwangsläufig um Stellenstreichungen handeln, auch Verlagerungen seien denkbar.

Wohl auch deshalb kritisierten der Gesamtbetriebsrat der Siemens AG und die IG Metall die geplante Fusion. Die Abtrennung des Unternehmensbereiches Com sei ein "schwerer Fehler" und der "bislang radikalste Bruch in der Geschichte des Hauses Siemens", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Der Hintergrund: Die Telekommunikationssparte war immer wichtig für Siemens. Schließlich war das Unternehmen 1847 als "Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske" in Berlin gegründet worden.