Kaum ein Thema beherrschte das Musikfeuilleton der vergangenen Woche so sehr wie der Tod des Jahrhundertkomponisten György Ligeti . Für die ZEIT blickt Claus Spahn auf Leben und Werk des in Ungarn geborenen Theoretikers zurück. Mehr als alles andere habe Ligeti Präzision, Strenge und Analytik im Denken geschätzt.

FAZ , Welt , taz , FR und NZZ richten den Fokus auf unterschiedliche Facetten.

Wolfgang Sandner verweist in der FAZ auf Atmospheres aus dem Jahre 1961, „eine Komposition, die eine Revolution des Hörens einleitete und zugleich stilbildend wirkte. Zum ersten Mal in der Geschichte der abendländischen Musik verzichtete ein Komponist auf Entwicklung, auf Dynamik, auf Spannungsbögen und Dramatik. Ligetis statisches Komponieren hat den Schöpfern der Neuen Musik einen Weg aus der Sackgasse seriellen Komponierens gewiesen.“

Klaus Geitel beklagt in der Welt den Verlust. Ligeti sei sein ganzes Leben lang neugierig, aufgeschlossen, unbeirrbar, konsequent gewesen.

Diese schöpferische Neugier rückt auch Christian Wildhagen in der Neuen Züricher Zeitung ins Zentrum seiner Betrachtung: „Bei wenigen Künstlern, Picasso und Strawinsky ausgenommen, erscheint diese Lust am ständigen Wandel – am gleichsam perpetuierenden Experiment – derart ausgeprägt. Ligetis waches Interesse an den neuesten Strömungen in Naturwissenschaft, Mathematik und Informatik, aber auch der Ethnomusikologie findet darin seinen Niederschlag.“

Kritisch erinnert sich Hans-Klaus Jungheinrich in der FR an den Komponisten. „Sein Auftritt im Rollstuhl zur Entgegennahme des Frankfurter Adorno-Preises 2003 wirkte eher unsympathisch. In der Alten Oper offerierte Györgi Ligeti nochmals das Gerücht, Adorno sei von den 1968er Studenten umgebracht worden, und äußerte sich überheblich über die angeblich der realen Einsichten entbehrenden linken Grundlagen der Kritischen Theorie . Dass Alter und physischer Verfall nicht unbedingt mit einer durchleuchteten geistigen Würde einhergehen, wurde bei dieser Gelegenheit schmerzhaft deutlich.“