Die Beratungen der Großen Koalition über die Gesundheitsreform haben am Sonntag Abend noch zu keinen wesentlichen Ergebnissen geführt. Union und SPD wollen die gesetzlichen Krankenkassen auf eine neue Finanzbasis stellen und mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen erreichen.

Das umstrittene Fondsmodell lässt viele offene Fragen. Der Unions-Gesundheitsexperte Wolfgang Zöller (CSU) erwartet keine schnelle Verständigung auf einen Gesundheitsfonds und geht davon aus, dass eventuell andere Lösungen gefunden werden müssen. Angela Merkel räumt zwar ein, dass die Fondsvariante nicht optimal sei, aber sie brächte mehr Kostentransparenz ins Gesundheitssystem. Nach diesem Modell - einem Kompromiss zwischen den Vorstellungen der SPD und der Union - sollen Beitrags- und Steuergelder als Pauschalen an die Krankenkassen weitergeleitet werden.

Ob auch die privaten Krankenversicherer an einem solchen Fonds beteiligt werden, ist umstritten. Während Stoiber dies strikt ablehnt, sieht Zöller Möglichkeiten, dass Privatversicherungen etwa über Steuermodelle einen Beitrag zu der Reform leisten. Auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) plädierte dafür, da die Privaten ohnehin die Bevölkerungsgruppen mit dem geringsten Risiko versorgten und die Hauptlast der Gesundheitskosten bei der gesetzlichen Versicherung läge. Die Privaten Krankenkassen weisen diesen Vorwurf der Unsolidarität zurück. Privat Versicherte zahlten ganz erhebliche Solidarbeiträge. Zwangszahlungen würden allerdings, so Reinhold Schulte, Vorsitzende des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), das funktionierende System der PKV torpedieren.

Angela Merkel will an der privaten Krankenversicherung festhalten. Zu überlegen sei aber, ob nicht alle Steuerzahler die Versicherung von Kindern bezahlen sollten. Bisher kommen dafür nur die gesetzlichen Krankenkassen auf.