Mit einem deutlichen "Ja" haben die Katalanen am Sonntag für eine größere Eigenständigkeit ihrer nordostspanischen Region abgestimmt. Der Gesetzestext, der in etwa der Verfassung eines Bundeslandes in Deutschland entspricht, erkennt Spaniens wirtschaftlich stärkste Region indirekt als "Nation" an. Hauptstadt ist Barcelona. Katalonien ist nun politisch und finanziell autonomer gegenüber Madrid. Die 6,8 Millionen Katalanen gehören aber weiterhin zu Spanien. Die bereits vom spanischen Parlament beschlossene Reform garantiert Katalonien höhere Steuereinnahmen und größere Mitspracherechte in EU-Fragen. Die Zustimmung zum Referendum kann als Erfolg für die Politik von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero gewertet werden. Schließlich hatte der spanische Ministerpräsident das Dezentralisierungs-Projekt zur wichtigsten Aufgabe seiner Amtszeit erklärt. Dafür wurde er von der konservativen Opposition und Teilen der Presse beschuldigt, die Einheit Spaniens aufs Spiel zu setzen und eine "Balkanisierung" des Landes herauf zu beschwören. Die oppositionelle Volkspartei (PP) drohte mit einer Verfassungsklage. Neben der PP lehnten auch die katalanischen Linksrepublikaner (ERC) den Gesetzestext ab. Er ging ihnen nicht weit genug. Für das Ja warben dagegen Sozialisten (PSOE) und gemäßigte Nationalisten (CiU). Trotz des Erfolgs wird die niedrige Wahlbeteiligung Zapatero allerdings weniger gefallen haben. Zwar ändert diese nichts an der Gültigkeit des Referendums. Sie zeigt aber, dass viele Katalanen den seit zwei Jahren währenden Parteienstreit über die Reform satt hatten und lieber an den Strand als an die Wahlurne gegangen sind. Bis zum frühen Nachmittag hatten knapp 21 Prozent der 5,3 Millionen wahlberechtigten Katalanen ihre Stimme abgegeben. Das bislang geltende Autonomie-Statut war 1979 mit 88 Prozent der Stimmen angenommen worden.Dennoch kann Zapatero auf einen größeren Spielraum hoffen, um das nächste große Projekt in Angriff zu nehmen. Noch in diesem Monat will er mit der Untergrund- Organisation ETA über eine Friedenslösung für das Baskenland verhandeln. Ein neuer Streit mit der Opposition um die territoriale Politik ist vorprogrammiert. Auch die nordwestspanische Region Galicien erhob am Wochenende Anspruch auf eine größere Autonomie. Die dort regierende Koalition aus Sozialisten und Nationalisten will den "nationalen Charakter" des Landesteils betonen und die galicische Sprache der 2,7 Millionen Einwohner stärken.