Wenn sich Europas Parlamentarier allen Ernstes über ein Promille der EU-Forschungsförderung streiten, kann es sich nur um eine Forschungsrichtung handeln: Stammzellen. Ganze 50 Millionen von 50,8 Milliarden Euro Fördergeldern sollen ab 2007 in diesen Zweig fließen. Weil mit dem Geld auch Projekte zur embryonalen Stammzellforschung unterstützt würden, die in einigen Mitgliedsländern nicht oder nur eng begrenzt erlaubt ist, versuchte eine in dieser Hinsicht notorische Allianz aus Konservativen und Grünen im Parlament die Stammzellforschung aus dem EU-Förderprogramm kippen.

Heute haben sie verloren. Das Parlament ließ die Stammzellforschung passieren. Mit knapper Mehrheit. Allerdings folgt daraus wenig konkretes. Zudem muss der EU-Ministerrat noch zustimmen. 50 Millionen Euro, verteilt über die nächsten sechs Jahre, sind eine zu läppische Summe, als das man daran irgendwelche Hoffnungen auf Beflügelung und Fortschritt der europäischen Stammzellforschung knüpfen dürfte.

Wären nicht die nationalen Forschungsetats in Ländern wie Großbritannien, Schweden, Belgien oder Spanien, könnten Europas Stammzellforscher das Licht ausmachen. Ein Beispiel zum Vergleich: allein der US-Bundesstaat Kalifornien pumpt in den nächsten Jahren glatte drei Milliarden US-Dollar (!) in das umstritten Forschungsfeld - übrigens eine Entscheidung, die durch eine Volksabstimmung erzwungen wurde.

So bleibt der Erfolg im europäischen Parlament ein Sieg in Sachen Symbolpolitik. Doch immerhin - die politischen Vertreter der Bürger Europas haben damit demonstriert, dass ihnen lebende Menschen, - unter ihnen viele Millionen mit chronischen, unheilbaren oder gar tödlichen Erkrankungen, nicht weniger am Herzen liegen, als eine ideologische und daher nie zu entscheidende Debatte um das abstrakte Lebensrecht einer befruchteten Eizelle.

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