Der Konflikt zwischen der IG Metall und Volkswagen über einen neuen Tarifvertrag für die 3800 Mitarbeiter der VW-Tochter Auto 5000 verschärft sich. Presseberichten zufolge soll es am Donnerstag Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen geben, zudem soll für diesen Tag eine Demonstration in Wolfsburg geplant sein. 

Am Donnerstag steht die vierte Tarifrunde für die Beschäftigten bei Auto 5000 an. Die bisherigen Tarifverhandlungen waren stets ohne große Annäherungen vertagt worden. VW lehnt pauschale Lohnerhöhungen für die Mitarbeiter von Auto 5000 ab. Diese arbeiten mit 38 bis 42 Stunden in der Woche deutlich mehr als ihre Kollegen an den benachbarten Bändern, verdienen aber etwa 20 Prozent weniger. Zugleich ist ihre Produktivität am höchsten. Wissenschaftlern zufolge könnte das Prinzip von Auto 5000 eine Chance für den Standort Deutschland sein, im Wettbewerb mit führenden ausländischen Automobilherstellern, beispielsweise mit Toyota, zu bestehen.  

Aus Sicht von VW sind Arbeitsbedingungen und Organisation von Auto 5000 ein Modell, das auch die Stammwerke rentabler machen soll. Wie bereits am Montag bekannt geworden war, plant das Unternehmen in diesen Werken eine Rückkehr zur 35-Stunden-Woche, allerdings ohne jeden Lohnausgleich. Kein überraschender Vorstoß, der jedoch von den Beschäftigten mit Sorge betrachtet und von der Gewerkschaft deutlich kritisiert wird. Die IG Metall und die VW-Mitarbeiter fürchten, die geplante Verlängerung der Arbeitszeit solle auch mit dazu beitragen, rund 20.000 Jobs einzusparen. »Schon heute gibt es unter den Bedingungen der Vier-Tage-Woche nicht genügend Arbeit für alle«, mahnt IG Metall-Sprecher Jörg Köther an. Viele der Probleme seien lange bekannt und hätten ohne Tarifänderung angegangen werden können, zum Beispiel durch effizientere Arbeitsgestaltung.

Die VW-Beschäftigten arbeiten seit 13 Jahren nur noch 28,8 Stunden wöchentlich im Automobilwerk. Bei der Einführung der Vier-Tage-Woche hatten sie Lohnkürzungen von 20 Prozent in Kauf genommen - Kürzungen, die nun trotz Mehrarbeit nicht wieder rückgängig gemacht werden sollen.

»Ich weiß, dass die VW-Pläne zunächst wie eine Zumutung klingen«, sagt Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU). Dennoch äußerte er sich positiv: Für Stadt und Region sollte es aber oberstes Ziel sein, dass VW seine internationale Wettbewerbsfähigkeit stärkt. »Positiv ist, dass den Betroffenen nicht weniger Geld im Portemonnaie bleiben soll und dass die Pläne sicherlich nicht in einem Schritt verwirklicht werden können«, sagt Schnellecke. 

Für die Handwerkskammer Braunschweig, zuständig für die drei VW- Standorte Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter, hat die Medaille zwei Seiten: »Einerseits sind viele VW-Arbeiter, die gutes Geld verdienen, wichtig als Auftraggeber für das Handwerk«, sagt Kammer- Geschäftsführer Otto Schlieckmann. Auf der anderen Seite hätten die Betriebe dann wieder eine Chance, qualifizierte Mitarbeiter zu bezahlbaren Löhnen zu bekommen, die wegen der relativ guten Bedingungen seit Jahrzehnten eine Arbeit bei VW bevorzugen. 

Kritiker der Vier-Tage-Woche wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hingegen halten eine Rückkehr zur 35-Stunden-Woche für überfällig. "Der ganz große Fehler von Hartz war, dass er Kapazitäten nicht angepasst hat". Bei der Vereinbarung der Vier-Tage-Woche durch den damaligen Personalvorstand Peter Hartz und Jürgen Peters von der IG Metall war man von einer vorübergehenden "Nachfragedelle" nach Autos ausgegangen. Das Modell sollte deshalb auch nur zwei Jahre gelten. Aber die Absatzschwäche hielt länger an. Deshalb muss VW nun nach neuen Lösungen suchen.