Der vorübergehend drohende erste Boykott eines WM- Spiels durch Togos Nationalmannschaft hat vor dem Abschluss der zweiten Vorrundenspiele für Aufregung gesorgt. Erst nach einem mehrstündigen Streik wegen der weiter ungelösten Prämienfrage bestiegen die Akteure des WM-Neulings am Sonntagmittag mit zwei Stunden Verspätung und auf Intervention des Fußball-Weltverbandes FIFA das Flugzeug nach Dortmund, wo Togo am Montag gegen die Schweiz antreten muss. Ob damit auch ein Boykott der Spieler vom Tisch ist, stand zunächst nicht fest. Nach Artikel 11.2 des FIFA-Regelwerks wird ein Team disqualifiziert, wenn es nicht zu einem Spiel erscheint.

"Ich verstehe die Spieler. Sie wurden immer wieder vertröstet", sagte Trainer Otto Pfister. Er selbst war wegen des Prämienstreits am 9. Juni zurückgetreten und nur auf Bitten seiner Spieler drei Tage später zurückgekehrt. Einen neuen Rücktritt schloss der deutsche Coach aber aus. "Ich kann ja nicht schon wieder aufgeben." Ihm sei vom Verband zugesagt worden, das Prämien-Thema bis zum 10. Mai gelöst zu haben. Spieler und Verband hatten sich auf 50 000 Euro geeinigt, doch die Zahlung ließ auf sich warten. Das Spiel gegen die Schweiz geriet durch die neuerliche Posse am Sonntag zur Nebensache.

Für die Eidgenossen ist nach dem 0:0 gegen Frankreich diesmal ein Sieg Pflicht, um die Achtelfinal-Chance zu wahren. Trainer Jakob Kuhn setzt auf Offensive. "Wir wissen, dass wir keine Tormaschine sind. Das müssen wir ändern", sagte der Coach. Deshalb dürfte Daniel Gygax den defensiver ausgerichteten Raphael Wicky im Mittelfeld aus der Startelf verdrängen. Die angeschlagenen Verteidiger Ludovic Magnin und Philippe Degen haben sich wieder fit gemeldet. "Wir sind Favorit, weil wir die bessere Mannschaft haben", sagte Magnin selbstbewusst.

In der Gruppe H strebt Spanien gegen Tunesien in Stuttgart den zweiten Sieg und die Achtelfinal-Qualifikation an. Die Euphorie nach dem 4:0-Sieg über die Ukraine hat allerdings einen Dämpfer bekommen, denn Kapitän Raúl ist plötzlich zum Problemfall geworden. Der Torjäger von Real Madrid kann sich mit seiner Rolle als Ersatzspieler nicht abfinden. Er wirkt trotz des blendenden WM-Starts der Selección missmutig und deprimiert. "Raúl im Abseits", titelte "El País" am Sonntag. Trainer Luis Aragonés befürchtet, dass die Traurigkeit des Kapitäns auf die Stimmung in der Mannschaft drückt. Er knöpfte sich den 28-Jährigen vor und redete ernsthaft auf ihn ein.

Überhaupt fürchten die Spanier mehr den Gegner in den eigenen Reihen als die Tunesier. Die Gefahr besteht, dass der Ruhm der zu Titelkandidaten aufgestiegenen Asse zu Kopfe steigt. Aragonés setzte alle Hebel in Bewegung, um Überheblichkeit gar nicht erst aufkommen zu lassen. Er redete den Gegner stark: "Tunesien ist der stärkste Rivale in unserer Gruppe. Ich habe das Team acht Mal beobachtet und weiß, wovon ich rede." Die Tunesier hoffen nach dem 2:2 gegen Saudi- Arabien auch gegen den Favoriten auf einen Punkt. "Wir dürfen keinen Zweifel an unserer Leistungsstärke haben", forderte Trainer Roger Lemerre. In Dos Santos fehlt ihm weiterhin der Top-Torjäger.

Zuvor kämpft Gruppenrivale Ukraine in Hamburg gegen Saudi-Arabien schon fast um seine letzte Chance. Nach der Pleite gegen Spanien ist Coach Oleg Blochin im vorentscheidenden Spiel um Rang zwei gezwungen, sein Team umzukrempeln. Wladislaw Waschtschuk fehlt nach einer roten Karte, andere Stammspieler sind angeschlagen oder außer Form. Stürmerstar Andrej Schewtschenko ist zwar nicht fit, aber gesetzt. Nachdem den Saudis gegen Tunesien der Sieg in letzter Sekunde entrissen wurde, wollen sie ihn gegen die Ukraine im Beisein der Königlichen Hoheit Prinz Sultan bin Fahad bin Abdul Aziz nachholen.