Herr Ballack, was wäre, wenn der Bundestrainer Sie wegen Ihrer gelben Karte nicht gegen Ecuador auflaufen ließe?

Wen, mich? Ich habe doch schon ein Spiel pausiert.

Wie vereinbar ist denn Ihr Handicap, vorbelastet zu sein, mit der offensiven Spielweise des Bundestrainers?

Das lässt sich schon vereinbaren, da müssen eben die anderen ein bisschen mehr aufpassen. Nein, im Ernst: Das ist doch ein WM-Spiel, und wir wollen Gruppenerster werden. Wir haben zwar im Hinterkopf, dass wir schon qualifiziert sind, aber wir können ja nicht taktieren. Wir können uns die Dinge nicht zurechtlegen: Sind es vielleicht die Engländer im Achtelfinale, oder die Schweden oder Trinidad? Klar gibt es kritische Situationen in einem Spiel, aber dann werde ich mir vielleicht sagen: oh, jetzt nicht! Ich bin ja erfahren genug. Ich will gewinnen, ich will ein gutes Spiel abliefern. Und dazu gehören Zweikämpfe, sonst kannst du nicht gewinnen. Ich denke nicht, dass mich die Verwarnung behindern wird.

Aber gerade weil die Mannschaft schon qualifiziert ist, könnte sie sich den Luxus doch leisten, auf Sie zu verzichten?

Als Spieler möchte man spielen. Das geht jedem so. Gerade für unsere Mannschaft, die oft Gegentore kassiert hat, die Schwächen im defensiven Verhalten zeigte, ist es unumgänglich, dass sie sich einspielen muss. Anders geht es nicht.

Alle loben die Stimmung in den Stadien, Ihr Mitspieler Christoph Metzelder hat gleich mal eine Patriotismusdebatte gestartet. Andere sehen die Gefahr, dass im neuen Patriotismus der Deutschen ein Nationalismus aufkeimen könne. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Von der Debatte habe ich nichts mitbekommen. Ich finde es schön, und es sollte ja auch so sein im eigenen Land, dass die Menschen zeigen, dass sie Fans sind. Die Menschen, die mit Fahnen an ihren Autos fahren, oder Fahnen aus ihren Fenstern hängen, zeigen damit ja nur, dass sie Fußballfans sind, dass sie Deutschland-Anhänger sind - mehr nicht. Das gehört bei der WM dazu. Und wir Spieler freuen uns, dass dann auch das Stadion schwarz-rot-gold ist und nicht jeder in zivil kommt und niemand weiß, wer zu welchem Land gehört. Das ist ja auch Ausdruck dessen, was ich fühle. Ich finde das normal.

Derzeit wird über die Zukunft Klinsmanns als Bundestrainer diskutiert. Inwiefern ist der Erfolg entscheidend, ob diese Entwicklung weitergeht? Ist bei einer eventuellen Niederlage im Achtelfinale alles infrage zu stellen?

Ich weiß nicht, ob man alles infrage stellen muss. Entscheidend ist, wie sich die Mannschaft präsentiert. Wir haben jetzt zwei Siege. Packend war die Art und Weise, wie der Sieg gegen Polen zustande gekommen ist.

Ist dieser Prozess, diese offensive Spiel-Philosophie, unumkehrbar?

Was heißt unumkehrbar? Gemessen wird eine Mannschaft letztlich immer am Erfolg. Aber so, wie wir gegen Polen aufgetreten sind, so ist in den letzten Jahren eine deutsche Nationalmannschaft selten aufgetreten. Das war auch ein Signal in die Zukunft, egal, wie weit wir bei diesem Turnier kommen.

Ist dieser Spielweise auch die Euphorie im Land zu danken?

Diese Euphorie wollten wir Spieler ja auch irgendwie entfachen. Vor der WM wurde diskutiert, was der Fußball dem Land bringen kann. Da haben wir uns als Spieler immer ein wenig zurückgenommen. Wir sagten: Ja, wir wollen nur Fußball spielen. Aber natürlich, es wäre schön, wenn gewisse Nebeneffekte eine Rolle spielten.