Brasiliens Minimalisten haben dank "Papa" Adriano die zweite schwere Geburt bei der Fußball-Weltmeisterschaft überstanden und stehen nach dem zweiten Zittersieg in der Gruppe F vorzeitig im Achtelfinale. Der Torjäger von Inter Mailand traf beim glücklichen 2:0 (0:0)-Erfolg gegen Australien am Sonntagabend vor 66 000 Zuschauern in München in der 49. Minute. Den erlösenden zweiten Treffer erzielte Fred (90.), der erst zwei Minuten zuvor für Adriano eingewechselt worden war.

"Wir verdanken diesen Erfolg auch Gottes Segen. Wir sind genau auf dem richtigen Weg. Die anderen mauern gegen uns, deshalb haben wir noch einige Schwierigkeiten", meinte Fred, der nicht nur beim Torschuss erfolgreich war, sondern auch beim Kampf um den Spielball: "Den schenke ich meinem Vater", sagte der Stürmer von Olympique Lyon.

Gegen die felsenfest wie der "Ayers Rock" stehende australische Abwehr taten sich die Ballzauberer vom Zuckerhut wieder äußerst schwer, so wie schon beim mageren 1:0 gegen Kroatien. Bei zahlreichen Kontern der "Aussies" hatten sie sogar Glück, nicht den Ausgleich hinnehmen zu müssen. Australien reicht trotz der Niederlage im letzten Gruppenspiel am Donnerstag in Stuttgart gegen Kroatien sogar ein Unentschieden zum erstmaligen Einzug ins Achtelfinale, vorausgesetzt Brasilien verliert zur selben Zeit nicht gegen Japan.

Erst nach einer wieder enttäuschenden ersten Halbzeit durfte die "Seleção" wenigsten über ein Tor und den neunten WM-Sieg in Serie jubeln. Und es waren ausgerechnet der gescholtene Ronaldo und sein Sturmpartner Adriano, die in einer Co-Produktion den stotternden Motor des Weltmeisters zumindest zeitweise zum Laufen brachten. Der Torschütze war vor zwei Tagen Vater von Adriano Junior geworden.

Nach der weltweit harschen Kritik wussten die Südamerikaner nur zu gut, was die Stunde geschlagen hat. Erstmals bildete das Team um die Lokalmatadoren Lucio und Ze Roberto von Bayern München vor dem Anpfiff einen Kreis und Ronaldo, der Passgeber zur Führung war, bekreuzigte sich nach dem Anpfiff des souveränen Schiedsrichters Markus Merk gleich noch ein zweites Mal.

"Er ist gesetzt, wegen seiner Klasse und der großen Verdienste", hatte Trainer Carlos Alberto Parreira seine Entscheidung verteidigt, an seiner Stammformation auch nach dem mäßigen Auftakt nicht zu rütteln. "Patient" Ronaldo, der in der 31. Minute die Gelbe Karte sah, konnte aber nur andeuten, dass er auf dem Wege der Besserung ist. In der 72. Minute machte der Stürmerstar von Real Madrid Robinho Platz, der nur fünf Minuten später seine erste große Chance vergab.