Jetzt hat die Weltmeisterschaft also richtig begonnen. Brasilien hat gespielt. Wir haben die Farben Gelb-Grün auf dem Platz gesehen, die für die Schönheit im Fußball steht und für ein Abonnement auf den Titel. Zum ersten Mal ist der Pferdeschwanz von Ronaldinho über den Platz geweht. Zum ersten Mal hat Kaká sich eine Torecke beim Gegner ausgesucht (links oben) und den Ball in der 44. Minute genau dort zum spielentscheidenden 1:0 hingezirkelt.

Wir haben aber auch rot-weiß-kariert gesehen, das Trikotmuster von Kroatien und uns in einigen Szenen gefragt, ob während des Spiels plötzlich die Trikots vertauscht worden sind. Der Kroate Prso nämlich hat den Brasilianer Lucio im Strafraum getunnelt und nicht umgekehrt. Es war Babic, der die meisten Übersteiger vorführte und nicht der Weltfußballer des Jahres Ronaldinho. Der überragende Mannschaftsteil auf dem Rasen war die kroatische Abwehrformation um Robert Kovac und nicht das brasilianische, offensive Mittelfeld.

Brasilien war nicht gut, aber warum? Sind die Stars lustlos, satt und müde wie ihr Mittelstürmer Ronaldo, der sich das Spiel stehend vom gegnerischen Sechzehner aus angeschaut hat? Oder haben sie nur das Nötigste getan, weil das Tor von Kaká relativ früh gefallen ist und am Ende zum Sieg gereicht hat?

Die Antwort findet man wohl eher beim Gegner: Kroatien hat der Fußballwelt vorgemacht, wie man gegen den scheinbar übermächtigen, amtierenden Weltmeister gewinnen kann. Mit einem Stellungsspiel im defensiven Mittelfeld, das so perfekt organisiert war, dass immer zwei bis drei Spieler dem ballführenden Gegner den Weg versperrten. Mit geradlinig kraftvollen Angriffen, die vor allem von Prso vorgetragen wurden. Mit gefährlichen Eckbällen, die den Rotweißen zumindest ein Tor hätten einbringen müssen, als der Verteidiger Tudor frei vorm Tor den Ball mit dem Kopf nicht erreichte.

Sehr aufschlussreich war dieses Spiel, denn nun weiß man, wo Brasilien seine Schwächen hat. Die Außenverteidiger Roberto Carlos und Cafu sind kaum mehr nach vorne gefährlich, schnelle Flügelläufe hat man von ihnen nicht gesehen. Alte Herren sind sie, die ihre beste Zeit offenkundig hinter sich haben. Die Stürmer Ronaldo und Adriano wirken steif, behäbig, am Kombinationsspiel desinteressiert. Die Innenverteidiger Juan und Lucio leisten sich gerne mal einen Fehler.

Vor allem aber fehlt es der Mannschaft (noch?) am letzten Ehrgeiz, Großes zu vollbringen. Es ist keine Spannung auf der Sambatrommel. Die Rumbarasseln sind mit Watte gefüllt. Die Konkurrenz aus Argentinien, Holland, Italien und Deutschland wird das gefreut haben. Der Ausgang der Weltmeisterschaft ist offener, als viele glauben.

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