Der Gewinner des Spiels Ecuador gegen Costa Rica heißt – Deutschland. Mit dem 3:0-Sieg der Blau-Gelb-Roten aus Südamerika haben sie nicht nur sich selbst lange vor der Zeit (sprich vor dem letzten Gruppenspiel) ein warmes Plätzchen im Achtelfinale gesichert, sondern auch der deutschen Mannschaft dort ein Eckchen reserviert.

Sí se puede – wir können es, heißt der selbstbewusste Wahlspruch der Andenbewohner. So ganz wollten die Fans sich wohl nicht auf sich selbst verlassen und hatten vorsorglich ein Transparent mit frommen Wünschen an die Heilige Maria Mutter Gottes aufgehängt – und sie damit in einen Zwiespalt gestürzt: Auch die Polen richteten an diesem Nachmittag alle Gebete gen Himmel, etwas anderes blieb ihnen nach zwei Niederlagen auch nicht übrig, wenn sie noch ans Weiterkommen glauben wollten.

Aber an diesem Nachmittag sprach Santa Maria nur spanisch, jedenfalls schenkte sie um 16.12 Uhr Agustin Delgado ein Tor, das 2:0, und damit war fast amtlich, was der Kollege von der ganz schnellen Presse schon zur Halbzeit in den Laptop hackte: historischer Sieg. Wie er aber Teil 2 der Überschrift rausgefunden hat – "Ganz Ecuador feiert" – weiß auch allein die Madonna, rang der Kollege doch nicht im 2850 Meter hoch gelegenen Quito nach Luft, sondern saß genau wie ich auf der Pressetribüne am Altonaer Volkspark…

Eigentlich war es das Gipfeltreffen der Gurkentruppen der Vorbereitungszeit. Wochenlang wurden beide Mannschaften von Bild am Sonntag -Lesern und Studententeams lächerlich gemacht; ihre Trainer sahen aus, als hätten sie einen Satz ungewaschene Trikots schlucken müssen. Ecuador (Platz 39 der Fifa-Rangliste) bemühte sich nach Kräften, das Vorurteil "die können nur in dünner Höhenluft" zu bestätigen; im deutschen Flachland wirkten die Ecuadorianer, in deren Landeswappen ein Kondor schwebt, so harmlos wie ein Hühnchen mit Vogelgrippe. Und dann schlugen sie Polen im ersten WM-Spiel 2:0.

Costa Rica (Platz 26 in der Fifa-Rangliste, nur sieben Positionen hinter den Deutschen!) spielte vor dem 9. Juni auch nicht besser. Aber dann schnellte die Kobra Paulo Wanchope im Eröffnungsspiel zweimal unvermutet aus ihrem Körbchen, versetzte dem deutschen Team zwei schmerzhafte Bisse und bescherte uns bis zum Wundstarrkrampf eine neuerliche Abwehrdebatte.

Aber jetzt ging es für die "Ticos" bereits um alles. Da können sie noch so liebevoll in den Grundschulen des Landes die WM-Stadien aus Pappe und Plastikfolie nachgebaut haben – die Deutschen hatten ihnen vier Stück eingeschenkt, jetzt mussten sie gewinnen. Sie setzten auf Naturdoping und verteilten schon an der S-Bahn-Station Hamburg-Stellingen Bananen, deren Schalen dann den Weg zum Stadion knöchelhoch säumten. Über den einen schwebt der Kondor, die anderen wollen ganz offensiv eine Bananenrepublik sein – das versprach, ein interessantes Spiel zu werden, auch wenn beide Länder wahrlich keine Fußballgroßmächte sind.