Neun Punkte. Acht zu zwei Tore. Drei Siege. Keine Niederlage. Gruppenerster, dank eines 3:0 gegen Ecuador. Bevor die nicht immer schmerzfreie Analyse des letzten Vorrundenspiels der deutschen Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft beginnt, sollte man kurz innehalten. Wer ehrlich ist – und auch jene, die den Kurs von Jürgen Klinsmann über die letzten Jahre grundsätzlich unterstützt haben, können das sein – wer also ehrlich ist, sollte eingestehen, dass man ernsthaft mit einem derartigen Verlauf der Gruppenphase nicht rechnen konnte. Ende des Innehaltens.

Richten wir den Blick auf das, was sich auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions am Samstagnachmittag zugetragen hat. Vorab: Gäbe es den Begriff "Sommerfußball" nicht schon, dieses Spiel wäre eine ideale Gelegenheit gewesen, ihn einzuführen. Beide Mannschaften schienen darauf bedacht zu sein, möglichst wenig zu laufen.

Das frühe Tor durch Klose begünstigte diese Strategie auf beiden Seiten. Die Ecuadorianer, die vier Stammspieler für das Achtelfinale schonten, schienen seit jener vierten Minute froh zu sein, dass sie ein Alibi für die sich fortsetzende Laufverweigerung hatten: Eine körperlich wie technisch überlegene deutsche Mannschaft war in Führung gegangen – und es schien, als habe dies das letzte Motivationsfünkchen erstickt.

Auch das deutsche Team allerdings schien froh zu sein - zeigte sich doch schon schnell nach Beginn überdeutlich, dass der Gegner nicht wirklich vorhatte, hier als Sieger vom Platz zu gehen. So schaltete man einen bis zwei Gänge zurück und lieferte im dritten Gruppenspiel die dritte Visitenkarte ab: Gegen Costa Rica war man übernervös gestartet und trotz des Sieges letztlich auch verunsichert vom Platz gegangen.

Gegen Polen lieferte man die erste Reifeprüfung in der Ära Klinsmann ab, diszipliniert, leidenschaftlich, erfolgreich. Gegen Ecuador nun hat das Team bewiesen, dass man auch ohne schön zu spielen effektiv sein kann, dass sich etwas einstellen kann, wie Routine, ein Wort, das eigentlich in der Klinsmannschen Spielphilosophie nicht vorgesehen ist.

So verlagerte sich das Interesse der Beobachter auf die einzig verbliebenen spannenden Momente im Spiel der deutschen Mannschaft: Wird Lukas Podolski endlich treffen und wird es Michael Ballack gelingen, eine weitere Verwarnung zu verhindern? Um bei Ballack zu beginnen: Es war schon fast amüsant, dem Kapitän dabei zuzusehen, wie er ballerinagleich jedem körperlichen Kontakt aus dem Weg zu gehen suchte. Dies gelang ihm weitgehend und trotzdem hielt der den Deutschen zugetane Teil des Publikums immer wieder die Luft an. Am nachhaltigsten, als Ballack offensichtlich den Pfiff des Referees nicht gehört hatte – und einen Freistoß ausführte, obwohl das Spiel noch unterbrochen war.