Oliver Neuville hat der deutschen Nationalmannschaft in der Nachspielzeit einen 1:0 (0:0)-Sieg gegen Polen beschert. Der Mönchengladbacher krönte mit seinem neunten Tor für die Nationalmannschaft eine Flanke von David Odonkor. Damit ist Deutschland (fast sicher) für das Achtelfinale qualifiziert. Im letzten Spiel geht es hauptsächlich darum, ob die Nationalelf Gruppensieger wird.

Vor 65 000 Zuschauern in Dortmund war das deutsche Team dem Siegtreffer 90 quälende Minuten lang vergebens hinterher gelaufen. Ausgerechnet die beiden gebürtigen Polen Miroslav Klose und Lukas Podolski, und später Neuville, vergaben die größten Chancen. In der 90. Minute scheiterten Klose und Michael Ballack innerhalb von Sekunden sogar noch an der Torlatte.

Vor allem das Defensivverhalten der deutschen Mannschaft erwies sich als deutlich verbessert. Doch in der Schaltzentrale des Spiels lief nicht alles rund: Michael Ballack, der nach auskurierter Wadenverletzung den Bremer Tim Borowski wieder aus der Anfangsformation verdrängte, war in seinem ersten Einsatz noch nicht wieder die große Leitfigur im deutschen Team. Zwar zeigte er sich unausgesetzt um Präsenz bemüht und spielte auch einige gute Pässe, doch zum Chef auf dem Platz konnte er sich nicht aufschwingen. In der 58. Minute bekam er sogar die erste deutsche gelbe Karte des Turniers.

Da auch Bernd Schneider und Bastian Schweinsteiger auf den Außenpositionen nicht die erhoffte Wirkung erzielten, blieb im Aufbau viel Stückwerk. Immerhin bot die Innenverteidigung mit Per Mertesacker und Christoph Metzelder gegen den polnischen Ein-Mann-Sturm mit dem Dortmunder Ebi Smolarek eine solide Leistung. Auch Arne Friedrich präsentierte sich im Vergleich zum ersten Spiel deutlich besser, offenbarte aber in seinen Offensiv-Aktionen weiterhin Schwächen. Als bester deutscher Spieler vor der Pause erwies sich - erneut! -Philipp Lahm , der neben solider Abwehrarbeit auf der rechten Seite auch immer wieder den Angriff ankurbelte.

Im Angriff waren Klose und Podolski pausenlos in Bewegung, doch ausgerechnet die beiden "Polen" vergaben die besten Gelegenheiten. Dabei benötigte Podolski eine längere Anlaufzeit als sein Nebenmann, kämpfte sich dann jedoch entschlossen in die Partie und hatte kurz vor der Pause seine Betriebstemperatur erreicht. Klose klebte wiederholt das Pech an den Schussstiefeln.

Entgegen seiner Ankündigung, das Team radikal umzubauen, hatte Polens Coach Pawel Janas seine Mannschaft nach dem 0:2 gegen Ecuador mit Bartosz Bosacki und Ireneusz Jelen nur auf zwei Positionen verändert. Wie erwartet gingen die Polen von Beginn an hart zur Sache: Für ein Foul an seinem Leverkusener Kollegen Schneider sah Jacek Krzynowek schon nach drei Minuten Gelb.