Für 20 Minuten der zweiten Halbzeit im Spiel England gegen Schweden sah es so aus, als ob der Achtelfinalgegner der deutschen Elf doch England heißen würde. Die Schweden hatten sich den Ausgleich erkämpft und spielten Chance auf Chance heraus. England gab den angeschlagenen Boxer - nach Punkten vorne, aber stehend K.o. Hätten die Schweden in dieser Phase noch einen Treffer erzielt, wären sie an den Engländern vorbeigezogen und als Gruppenerster im Achtelfinale auf Ecuador getroffen.

Die Latte und der eingewechselte Steven Gerrard hatten jedoch anderes im Sinn. Ersterer verhinderte zweimal ein Tor der Schweden jeweils nach Standardsituationen, letzterer rettete einmal für seinen geschlagenen Keeper auf der Linie und erzielte dann das erlösende 2:1 für die Engländer. Damit sicherte der Kapitän des FC Liverpools seiner Mannschaft den Gruppensieg, obwohl die Schweden in der 90. Minute noch den erneuten Ausgleich schafften, und verhinderte ein frühes Aufeinandertreffen zweier Turnierfavoriten.

Ein Duell mit den Schweden ist natürlich schwierig genug, auch wenn das "Drei Kronen"-Team im bisherigen Turnierverlauf alles andere als überzeugen konnte. Im Kreise der Nationalmannschaft ist man jedoch überzeugt, dass Schweden durchaus ein echter Prüfstein werden wird. "Das Spiel gegen England hat gezeigt, dass die Schweden ein absolutes Top-Team sind und große Moral haben. Wir sind uns bewusst, dass wir im Achtelfinale auf einen starken Gegner treffen", meinte Teammanager Oliver Bierhoff direkt im Anschluss an die Partie. Wäre England der Gegner, hätte es womöglich geheißen: "Nicht erst seit dem Spiel gegen Schweden wissen wir, dass die Engländer ein Top-Team sind und große Moral haben. Wir sind uns bewusst, dass wir im Achtelfinale auf einen starken Gegner treffen."

Auf dem Platz war im heutigen Spiel der beiden Mannschaften jedenfalls kein großer Unterschied auszumachen. Wohl aber auf dem Papier. Dort sind die Engländer dann doch ein wenig stärker einzuschätzen. Namen wie Beckham, Rooney und Gerrard lesen sich anders als Wilhelmsson, Allbäck und Elmander. Aber mit ihrem heute geschonten Jungstar Zlatan Ibrahimovic sowie Henrik Larsson und der schwedischen Antwort auf David Beckham, dem ehemaligen Calvin-Klein-Model Fredrik Ljungberg, besitzt Schweden durchaus ein paar eigene Stars. Deren Strahlkraft und Marketingwirksamkeit ist jedoch ungleich geringer als die der Engländer.