Sechs Meter über dem Meeresspiegel möchten die Kicker aus dem Andenhochland in Hamburg ihren WM-Höhenflug fortsetzen. Mit einem Sieg gegen Costa Rica am Donnerstag könnte Ecuador schon vorzeitig erstmals den Einzug ins Achtelfinale schaffen und damit den größten Triumph seiner 82-jährigen Fußball-Geschichte feiern. "Das ist das Spiel unseres Lebens, da es für viele die letzte Weltmeisterschaft ist", sagte Innenverteidiger Giovanny Espinoza (29) und misst dem Latino-Duell deshalb eine immense Bedeutung bei.

So hoch wie sein baumlanger, bulliger Innenverteidiger wollte Luis Suárez die zweite Gruppenpartie nicht hängen. Angesichts der überschäumenden Stimmung und unerschütterlichen Siegesgewissheit zu Hause warnte der "Tri"-Trainer vor Überheblichkeit: "Wir sind in guter Verfassung, emotional bestens drauf und sehr ruhig. Wir kennen den Kontrahenten genau und wissen, was wir können. Aber wir nehmen Costa Rica nicht auf die leichte Schulter."

Seine Schützlinge hüteten sich vor diesem Schlüsselspiel am Donnerstag trotz allen Selbstbewusstseins vor vorlauten Prognosen. "Wir bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden", versprach Mittelfeldstar Edison Mendéz, dass Ecuador "nicht abheben und Costa Rica keinesfalls unterschätzen" werde. Stürmer Carlos Tenorio sagte: "Wir sind nicht Favorit. Aber der Auftaktsieg hat natürlich unser Selbstvertrauen gesteigert und unsere Ausgangslage verbessert." Dank ihres souveränen 2:0-Auftaktsieges gegen Polen können die Südamerikaner trotz der Riesen-Bedeutung relativ entspannt in die Partie gehen. Mannschaftskapitän Ivan Hurtado erklärte: "Auf Costa Rica lastet wesentlich mehr Druck als auf uns."

Die Ecuadorianer haben zudem den Vorteil, dass sie System und Taktik vom Ausgang der Partie Deutschland - Polen abhängig machen können. Leistet der Gastgeber mit einem Sieg Schützenhilfe, so wären die Anden-Kicker mit einem Erfolg ebenfalls vorzeitig für die K.o.- Runde qualifiziert. Selbst ein Unentschieden würde dann den historischen Achtelfinal-Einzug praktisch garantieren. Verteidiger Ulises de la Cruz meinte: "Für uns wäre auch ein 0:0 in Ordnung."

"Wir richten uns nicht nach Costa Rica oder anderen, sondern setzen auf unsere Spielweise und unser System", so Suárez, der keinen Grund zu personellen Umstellungen hat. Schon das Mittelfeld soll die zu erwartenden Vorstöße abfangen, um Torjäger Paulo Wanchope möglichst wenig Gelegenheiten zu geben, gefährlich in Strafraumnähe aufzukreuzen. Das unkonzentrierte Defensiv-Verhalten Deutschlands beim 4:2-Auftakterfolg ist Suárez ein warnendes Beispiel.

Für die "Ticos" geht es schon um die letzte Chance. Costa Ricas Spielmacher Walter Centeno erklärt: "Wir lassen uns trotz des Riesendrucks, unbedingt gewinnen zu müssen, nicht verrückt machen. Ohne einen radikalen Systemwechsel, aber mit wesentlich mehr Mut zum Risiko wollen die Zentralamerikaner in diesem "Alles-oder-Nichts-Spiel" (Centeno) die WM-Wende erzwingen. Mauricio Solís sagte. "Wir haben die bessere Qualität als Ecuador und müssen das ausnützen." Angreifer Rónald Gómez forderte "eine intelligente Spielweise, zumal unser letzter Gruppen-Gegner Polen die geringsten Qualifikations-Chancen hat".

"Wir sind ruhig, obwohl wir wissen, dass wir unbedingt gewinnen und uns steigern müssen", sagte Trainer Alexandre Guimaraes und sprach sich gegen einen Hurra-Stil aus: "Wir haben 90 Minuten Zeit und werden keine Dummheiten machen." Das Ergebnis von Deutschland gegen Polen habe "keinen Einfluss" auf den eigenen Auftritt: "Wir werden unser System, unsere Taktik und unsere Aufstellung nicht davon abhängig machen. Überhaupt nicht, überhaupt nicht", versicherte er.