Mit solch freundlich–respektvollen Kommentaren, wie sie derzeit in Großbritannien kursieren, wurde ein deutsches Team schon lange nicht mehr bedacht.

Das hat nicht nur damit zu tun, dass es für Journalisten wie den "Mann auf der Straße" angesichts des erstaunlich spielfreudig–leichtfüßigen Kombinationsfußballs der Klinsmann-Elf erheblich schwerer geworden ist, auf den fest eingestanzten Klischees über die deutschen Fußballer (effizient, gründlich, wohl organisiert) zu beharren. Vor dem gestrigen Spieltag neigten die meisten Kommentatoren der Auffassung zu, es sei wahrscheinlich besser, wenn England bereits in der nächsten Runde auf Deutschland treffen würde.

Nun herrscht generelle Erleichterung darüber, dass nach dem 2:2 gegen Schweden der Kelch eines Spiels gegen die Deutschen erstmal abgewendet werden konnte. Das hat zu gleichen Teilen mit der Leistung der deutschen Elf wie der Schwäche des eigenen Teams zu tun.

Selbst den begriffsstutzigsten Sportreportern dämmert langsam, dass vieles im Argen liegt mit Sven-Göran Erikssons England. Der Fußball, den das Team bietet, ist bestenfalls durchwachsen. Dabei zeigte England nicht zuletzt dank der Präsenz von Wayne Rooney gegen Schweden in der ersten Halbzeit die bislang wohl beste Leistung bei dieser WM. Trotz der schlimmen Verletzung, die sich Michael Owen nach einer Minute zuzog und die Einwechslung von Peter Crouch erzwang.

England schleppt zu viele Hypotheken mit sich herum. Das ist einmal der "Wahnsinn" des Sven Göran Eriksson, der sich nun in aller Klarheit enthüllt: Nach dem Ausfall Owens, der ohne jegliche Spielpraxis in diese WM ging, und dem gerade genesenen Rooney steht neben Crouch nur noch der 17-jährige Theo Walcott als Stürmer zur Verfügung. Eriksson, der ihn nie hat spielen sehen, traut Walcott offenkundig nicht über den Weg. Weshalb der junge Stürmer, sicher ein Talent für die Zukunft, nicht einmal gegen schwache Gegner wie Trinidad oder Paraguay wenigstens für ein paar Minuten hat spielen dürfen.

Die zweite Hypothek heißt Beckham. Ein langer Pass auf Rooney, ein Freistoß, der einmal nicht übers Tor ging – das war alles, was er zu bieten hatte. Ansonsten kaum eine gute Flanke, kein Dribbling, keine Bewegung nach vorn, dazu noch schwach in der Defensive, wie in der zweiten Halbzeit schmerzlich sichtbar wurde. Höchste Zeit also, Beckham aus dem Team zu nehmen und durch einen flinken Flügelmann wie Aaron Lennon zu ersetzen. Doch dazu dürfte es angesichts der Nibelungentreue Erikssons zu seinem Kapitän kaum kommen. Also wird England weiterhin Ballast mit rumschleppen müssen.