Sind die Engländer die "neuen Deutschen"? Nach dem zweiten Spiel der Mannschaft von der Insel drängt sich der Vergleich mit dem Fußball auf, den die deutsche Mannschaft bei der vergangenen Weltmeisterschaft geboten hat.

Auch das englische Team ist stark in der Defensive, ist schwer zu schlagen, aber bietet zumeist langweiligen, unattraktivem Fußball ohne Spielwitz und Tempo. Zwei Spiele, zwei Siege, 6 Punkte und für die nächste Runde qualifiziert – wenn allein der Erfolg zählt, kann England gewiss zufrieden sein. Doch der 2:0-Sieg über Trinidad-Tobago verdeckt nur ungenügend eine Menge von Problemen.

Über lange Phasen bot die Mannschaft von Sven Göran Eriksson wenig Erquickliches: schleppend das Aufbauspiel, viele Querpässe, oft gefolgt von einem langen Ball nach vorne, der meist zu nichts führte. Verschärft wurde das ganze durch eine Aufstellung, mit der Eriksson dem eifrigen, aber letztlich zweitklassigen Team aus Trinidad zuviel Respekt zollte. Carragher als rechten Verteidiger vermochte mit dem Raum, der er ihm geboten wurde, wenig anzufangen. Wenn Chancen herausgespielt wurden, dann zumeist über den linken Flügel mit Joe Cole, dem einzig wirklich kreativen Spieler Englands, der Gegenspieler schon mal zu umdribbeln versuchte und sich durch intelligente Pässe auszeichnete.

Bei David Beckham wechselten Licht und Schatten. Tore durch Freistöße hat er schon seit drei Jahren nicht mehr im Englandtrikot erzielt. Die Qualität seiner Vorlagen ließ oft zu wünschen übrig, auch wenn er die Flanke schlug, die Peter Crouch sieben Minuten vor Schluss per Kopfball zum 1:0 verwandelte. Beckhams Wirkung bleibt begrenzt, weil er keinen Gegenspieler umdribbeln kann und mit 31 Jahren langsamer geworden ist. Oft vermag er nicht mehr den Raum zu gewinnen, um Flanken aus dem Lauf zu schlagen.

Erst als mit dem 18-jährigen Aaron Lennon ein schneller, dribbelstarker Spieler auf dem rechten Flügel auftauchte, der seinen Verteidiger eins ums andere Mal überrannte, geriet Trinidad unter permanenten Druck, dem es schließlich nicht standhalten konnte.

Lennon leistete einen wichtigeren Beitrag für die Wende als Wayne Rooney, der erstmals nach dem Bruch eines Knochen im rechten Fuß wieder zu einem 35-minütigen Einsatz kam. Die fehlende Spielpraxis war ihm anzumerken. Gleichwohl war er immer noch wirksamer als Michael Owen, der seiner Form weiterhin nachläuft. Sein Sturmpartner Peter Crouch erzielte den Siegtreffer, vergab aber ziemlich kläglich zwei große Chancen. Immer deutlicher schält sich heraus, wie töricht es von Eriksson war, neben Rooney und Owen nur zwei weitere Stürmer, darunter den völlig unerprobten Theo Walcott, zur Weltmeisterschaft mitzunehmen.