Der Streit um Wayne Rooney spitzt sich weiter zu. Trainer Sven-Göran Eriksson lässt im Gezerre um den "Wunderstürmer" seine Muskeln spielen und erwägt trotz der Bedenken des Verbandes im zweiten Gruppenspiel gegen Trinidad und Tobago am Donnerstag in Nürnberg einen Einsatz des 20-jährigen WM-Neulings. "Ich werde noch eine Nacht drüber schlafen und am Spieltag über einen Einsatz entscheiden", sagte der Schwede. Ein Platz in der Startelf sei allerdings ausgeschlossen. Rooney käme allenfalls als Einwechselspieler in Frage, sagte Eriksson, dessen Team mit einem Sieg den vorzeitigen Achtelfinal-Einzug perfekt machen will.

Mit der überraschenden Ankündigung auf der Pressekonferenz am Mittwoch in Nürnberg ging Eriksson auf Konfrontationskurs mit dem englischen Verband FA. Aus Sorge um etwaige gerichtliche Folgen hatte die FA englischen Medienberichten zu Folge ein überstürztes Rooney- Comeback abgeblasen. FA-Chef Brian Barwick habe nach Gesprächen mit Manchester United in der Nacht zum Mittwoch zu einem Verzicht auf Rooney gedrängt. Das Risiko eines überstürzten Einsatzes sei zu groß, hieß es übereinstimmend. Zudem fürchte die FA die von "ManU" angedrohte Klage im Falle einer neuerlichen Verletzung von Rooney, der sich am 29. April den rechten Fuß gebrochen hatte und erst seit sechs Tagen wieder voll trainiert.

"Ob mit oder ohne Wayne, wir sind bereit. Das ganze Land steht hinter uns und wir werden die Erwartungen unserer Fans nicht enttäuschen", versprach Kapitän David Beckham vor dem ersten Duell mit Trinidad und Tobago eine bessere Leistung als beim 1:0- Stotterstart gegen Paraguay. Voraussichtlich müssen die "Löwen" auf Rechtsverteidiger Gary Neville verzichten, der sich beim Abschlusstraining am Mittwoch eine Wadenverletzung zuzog. "Sein Einsatz ist sehr fraglich", sagte Eriksson. Als Ersatz steht neben Jamie Carragher auch Owen Hargreaves von Bayern München bereit.

Das Hickhack um Rooney störte die Konzentration auf die Partie gegen die "Fußball-Krieger" nicht. Trinidad und Tobago habe beim 0:0 gegen Schweden bewiesen, zu was es fähig sei, meinte Joe Cole, "aber wir werden gewinnen." Auch Beckham ist von einem Sieg überzeugt, zeigte aber einen Heidenrespekt vor den Kraftprotzen aus der Karibik. "Die Spieler sind athletische und kräftige Burschen. Das wird kein leichter Gang", sagte der 31-jährige Star von Real Madrid und warnte insbesondere vor Dwight Yorke, mit dem er vier "fantastische Jahre" bei "ManU" zusammen gespielt hat: "Dwight ist ein prima Kerl, aber auf dem Platz eine große Gefahr. Für mich ist er immer noch einer der besten Stürmer."

Yorke freut sich auf das Wiedersehen mit Beckham und das erste WM- Spiel gegen die großen Vorbilder aus der Premier League. "Das wird ein historischer Moment für uns", sagte der 37-jährige Kapitän. Trainer Leo Beenhakker traut seiner Mannschaft einen ähnlichen Coup wie gegen Schweden zu und sieht mentale Vorteile auf seiner Seite. "Die Jungs sind frisch und hungrig, dagegen stehen die Stars aus England unheimlich unter Druck", meinte der 63-jährige Niederländer.

Beenhakker, der weiterhin auf Torwart Shaka Hislop setzt und den gesperrten Avery John durch Atiba Charles ersetzt, war sich nicht zu schade, den Gegner in der englischen Boulevardpresse mit Verbalattacken zu provozieren. Im "Mirror" verglich er die Engländer mit Real Madrid: "Sie haben alle Stars der Welt, gewinnen aber gar nichts." Und Co-Trainer Wim Rijsbergen, ehemaliger niederländischer Nationalspieler, stichelte gegen Beckham: "Der kann besser Trikots verkaufen als Spiele gewinnen."

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