Wenn Sven-Göran Eriksson bei den englischen Fußballfans in guter Erinnerung bleiben will, muss er Weltmeister werden. In seiner fünfeinhalbjährigen Amtszeit sorgte der 58 Jahre alte Schwede weniger durch sportliche Erfolge, als vielmehr durch Affären und Skandale abseits des Fußballs für Schlagzeilen. Einer seiner Fehltritte kostete ihn sogar den Job. Wegen der "Scheich- Affäre" einigte sich der englische Verband FA mit dem Coach auf eine vorzeitige Auflösung des bis 2008 laufenden Vertrags. Co-Trainer Steve McClaren wird nach der WM neuer Coach der "Three Lions".

Seit dem ersten Tag als Nationaltrainer stieß der erste ausländische Trainer im Mutterland des Fußballs bei der britischen Presse auf Ablehnung. "Wir haben unser Geburtsrecht an eine Nation von sieben Millionen Skifahrern und Hammerwerfern verkauft, die ihr halbes Leben in der Dunkelheit verbringen", spottete die "Daily Mail", als Eriksson im November 2000 als Nachfolger von Kevin Keegan präsentiert wurde.

Doch der scheinbar so kühle und kontrollierte Schwede mit der "Aura eines besonnenen Gentlemans", wie eine Zeitung damals schrieb, verlor mehr als einmal seine Gemütsruhe und fütterte die Massenblätter regelmäßig mit Stoff. Glanzvolle Siege wie das 5:1 gegen Deutschland im September 2001 oder das 1:0 über den Erzrivalen Argentinien bei der WM 2002 wurden immer seltener und die Kritik am schwedischen "Iceman" immer heftiger.

Die Nation kannte jedes Detail seines Privatlebens. Während seiner Zeit in Italien trennte er sich von seiner Frau und spannte einem bekannten Richter die Ehegattin aus. Nancy Dell'Olio, eine populäre und sehr glamouröse Anwältin italienisch-amerikanischer Abstammung, wurde fortan seine Lebensgefährtin. Nancy begleitete Eriksson nach England, wo sie bald Konkurrenz bekam.

Zuerst war es die schwedische TV-Moderatorin Ulrika Jonsson, dann folgte die Liaison mit Faria Alam, die nicht nur Sekretärin beim Verband, sondern auch die Geliebte von Erikssons Chef bei der FA war. Dank satter Gagen plauderten die Damen gerne intime Bettgeheimnisse aus. Leisten kann sich Eriksson solche Eskapaden allemal.

Als er im Juli 2003 mit dem russischen Multi-Milliardär Roman Abramowitsch, Besitzer des FC Chelsea, Geheimverhandlungen führte und die FA davon erfuhr, belohnte ihn der Verband mit einer Gehaltserhöhung. Mit jährlich 7,5 Millionen Euro ist Eriksson einer der höchstdotierten Nationaltrainer.

Eine Luxusreise ins Sieben-Sterne-Hotel Burj Al Arab nach Dubai Anfang Januar dieses Jahres wurde Eriksson zum Verhängnis. Nach zwei 680 Euro teuren Flaschen Champagner geriet er ins Plaudern. Er zog über mehrere Nationalspieler her, zeigte Interesse am Trainerposten bei Aston Villa und bezeichnete drei Premier-League-Clubs als korrupt. Dumm gelaufen für Eriksson, denn der "Scheich" war ein Undercover-Reporter des Boulevardblattes "News of the World".