Irgendwie schmerzt es, seit sechs Jahren immer dasselbe zu schreiben. Dass Thuram, Henry, Trezeguet, Vieira hervorragende Spieler sind, die ihren Clubs große Leistungen schenken. Dass Zidane einer der besten Fußballer aller Zeiten ist. Und dass sie, kalt und nüchtern beobachtet, in der Nationalmannschaft noch nie wirklich zusammenspielen konnten.

Wer noch die Hoffnung hatte, die französische Mannschaft würde ihre verlorene Ehre in dieser Weltmeisterschaft wieder finden, muss nun diese letzte Illusion begraben. Die Begegnung mit der Schweiz bestätigte alle Befürchtungen, die sich seit der Europameisterschaft 2000 anhäuften.

Es sollte der "Moment der Wahrheit" sein, kündigte Trainer Raymond Domenech vor dem Spiel an. Momente der bitteren Wahrheit wurden es: Ungefährliche Aktionen, fehlende Präzision vor dem Tor, Unsicherheiten in der Abwehr, Mangel an Technik - und dabei so viele nutzlose Bewegungen in die Breite des Feldes, dass man manchmal denken könnte, die Tore ständen entlang der Seitenlinien. Vom "vertikalen" Spiel, das beispielsweise Jürgen Klinsmann befürwortet, keine Spur.

Nun, es gibt noch Lichtblicke. Ribéry, der Neuling, stellt mit seinem Feuer und seiner Unschuld eine erfrischende Abwechslung dar. Durch seine Anwesenheit nimmt man plötzlich wahr, was den Bleus seit Jahren fehlt - nicht die Qualitäten der einzelnen Spieler, sondern das Kombinationsspiel. Nicht zu übersehen, wie Zidane Ribéry sucht und sich mit ihm versteht. Man hatte den Eindruck, der Maestro hat Ribéry in einer Partie häufiger angespielt als Henry in acht Jahren.

Jedoch kann ein einzelner Spieler kein Retter sein. Dafür sind die Probleme der Franzosen zu eminent. Egal welches System die verschieden Trainer seit dem WM-Titel ´98 versucht haben, sie blieben gefangen von den immensen Persönlichkeiten der Weltmeister, die ihren Schatten auf alle nachfolgenden Mannschaften warfen. Nach der Europameisterschaft 2004 wurde klar, dass die Mannschaft von 1998 an ihre Grenzen gestoßen war. Und wer stellt heuer den größten Block des französischen Kaders? Acht oder neun der aktuellen Spieler standen schon bei dem Europameisterschafts-Debakel in Portugal auf dem Platz.

Es wird also wenig helfen, ein 4-2-3-1 oder ein 3-5-2-System anstelle des klassischen 4-4-2 zu installieren. Zidane & Co. können nur so spielen, wie sie immer gespielt haben - nur hat sich der Fußball seit 1998 weiter entwickelt. Wagen wir eine Hypothese, die einer Majestätsbeleidigung gleich kommt: Mit seiner Rückkehr hat Zinédine Zidane den scheinbar endlosen Untergang dieser Generation verlängert, keinesfalls aufgehalten.

Der Stil der Bleus strahlte keinerlei Freude aus - um zu gewinnen ist das auch nicht nötig, siehe die Italiener oder die Brasilianer -, sondern Verzweiflung. Sie laufen ihrer Vergangenheit hinterher. Umso peinlicher, dass der Trainer nach der Partie einige kleine Bemerkungen über den Schiedsrichter äußerte und grantelte, dass es unnötig sei, den Rasen sechs Stunden vor dem Match zu bewässern.

Es ist ja viel zu spät, um sich heute in Frage zu stellen. Und so kann man davon ausgehen, dass Frankreich die Vorrunde wohl kaum überstehen wird. Das wäre gut! Denn erst danach, nach einem frühen Ausscheiden, wird der Wiederaufbau der Mannschaft beginnen können. Bis dahin stehen uns aber noch einige unangenehme Momente bevor.