Natürlich wird jetzt die Schweiz gelobt. Dafür, dass sie dem angeblich haushohen Favoriten Frankreich ein Bein gestellt habe. Prima, aber leider teilweise Mumpitz. Es handelte sich bereits um das dritte Spiel hintereinander, in dem die Eidgenossen gegen Frankreich Unentschieden spielten - und beide Partien der Qualifikation waren besser als diese neunzig Minuten Unterhaltungsverweigerung gestern in Stuttgart.

Gegen die Schweiz ist Frankreich längst nicht mehr der Favorit. Die kleine Alpenrepublik ist spielstärker als die altersschwache Grande Nation. Daher hat mich verwundert, dass sich meine Landsleute der miesen Vorstellung des großen Nachbarlandes von Beginn weg angepasst haben. Nervös agierte die junge Helvetiertruppe, spielte viele Bälle irgendwohin nach vorne, zeigte Unsicherheiten in der Abwehr. Nein, nein, die können das besser.

Hätten sich die Schweizer auf ihre Spielmacherqualitäten besonnen, sie hätten in ihrem ersten Gruppenspiel dem ehemaligen Weltmeister richtig eins auf die Nase geben können. Was sie immerhin im Finish fast noch getan haben: Alex Frei jedoch versuchte, mit der Hand den Ball ins Tor zu bugsieren, statt ihn dem Kollegen Djourou zu überlassen.... gelbe Karte statt Einszunull.

Die hölzerne Vorstellung der Schweizer hat einen Vorteil: Alle halten uns nun für einen zwar unbequemen, aber nicht wirklich gut und schön spielenden Gegner, den man schlägt, wenn man es besser macht als Frankreich. Letzteres ist nicht schwer.

Demzufolge darf die Schweiz nun weiterhin sein, was sie ist: Favorit im Geheimsten. Ein wichtiger Punkt gehört uns, ohne dass die anderen gemerkt haben, zu was für großartigen Taten wir noch fähig sind! Der Fahrplan stimmt. Togo und Südkorea hauen wir weg. Wetten?

Ich stelle daher sofort um auf Pragmatik. Mein Missmut über das nicht gerade erfrischende Spiel: schon verraucht. Die Schweizer haben zwar nicht überragend gespielt. Aber das hat Brasilien gestern auch nicht getan.