Mit dem bislang schnellsten Turniertor und dem ersten Sieg für eine afrikanische Mannschaft hat WM-Debütant Ghana Mitfavorit Tschechien geschockt. Die Westafrikaner sorgten durch ein Blitztor von Asamoah Gyan nach 68 Sekunden und einen satten Linksschuss von Sulley Ali Muntari in der 82. Minute am Samstagabend vor 45 0000 Zuschauern in Köln für eine 2:0 (1:0)-Sensation. Die ersten Treffer erhielten den stark aufspielenden Außenseitern in der Gruppe E die Chance auf den Einzug ins Achtelfinale, doch im letzten Spiel gegen die USA am Donnerstag fehlen die gelb-gesperrten Torschützen.

Tschechien muss beim Gruppenfinale in Hamburg gegen Italien aller Voraussicht nach sogar gewinnen, um noch in die nächste Runde zu gelangen. Fehlen wird der Mannschaft von Karel Brückner nach der zweiten Gelben Karte für Vratislav Lokvenc eine komplette Sturmreihe und Tomas Ujfalusi. Der frühere Bundesliga-Profi, der auch das Gegentor verschuldet hatte, sah nach einer Notbremse gegen den Dortmunder Matthew Amoah die Rote Karte (66.). Den fälligen Elfmeter setzte Gyan an den Pfosten (67.).

Während Ghanas Trainer Ratomir Dujkovic nach dem 0:2 gegen Italien in dem Mainzer Bundesliga-Profi Otto Addo, Al-Hassan Shillah und Habib Mohamed gleich drei neue Spieler in seine Startelf beorderte, musste Brückner zwangsweise umstellen. Nach dem Muskelfaserriss von Jan Koller stand der Paradesturm nicht zur Verfügung, weil auch Milan Baros seine Fersenverletzung noch nicht überwunden hat. Vratislav Lokvenc mühte sich vergeblich, die Lücke zu schließen. Zu allem Überfluss handelte sich der Stürmer von RB Salzburg auch noch die zweite Gelbe Karte (50.) ein.

Die Tschechen wurden wie vom Blitz getroffen. Nach einem groben Abwehrschnitzer schlug es schon nach 68 Sekunden im Kasten von Welttorhüter Petr Cech ein. Ujfalusi verschätzte sich bei einem Pass von Michael Essien, und der am Strafraum lauernde Gyan hatte keine Mühe, den Ball mit links in die rechte Ecke zu zirkeln.

Während die Afrikaner nach ihrem ersten Tor weiter mutig nach vorn spielten, wirkten die Tschechen verwirrt. Die Mannschaft war im Vergleich zum locker herausgespielten 3:0-Sieg gegen die USA nicht wiederzuerkennen. Das stark besetzte Mittelfeld produzierte Stückwerk statt Kombinationen, Lokvenc merkte man die mangelnde Spielpraxis nach seinem Kreuzbandriss im November an, und die Abwehr konnte nicht verhindern, dass die schnellen Ghanaer immer wieder gefährlich vor dem Tor auftauchten. Vor dem eigenen Strafraum gingen die geistig frischer wirkenden Neulinge kompromisslos zu Werke und ließen nur wenige Möglichkeiten zu. Ein schöner Angriff über Pavel Nedved, Karel Poborsky und Tomas Rosicky, der den Ball nicht richtig traf, war die Ausnahme (43.).

Mit den Bundesliga-Profis Jan Polak aus Nürnberg und Jiri Stajner aus Hannover wollten es die Tschechen in der zweiten Halbzeit erzwingen. Kurz nach Wiederanpfiff zappelte der Ball auch im Tor, Nedved stand bei seinem Kopfball aber im Abseits (46.). Und Ghana blieb stets gefährlich. Ujfalusi wusste sich gegen Amoah nur noch mit einer Notbremse zu helfen (65.). Glück für Tschechien, dass Gyan die Nerven versagten. In Unterzahl warfen sie noch einmal alles nach vorn, doch in die sich öffnenden Räume stießen die Ghanaer hinein. Sie hatten in der Schlussphase durch Amoah (72.) und Essien (78., 79.) Chancen fast im Minutentakt. Schließlich machte Muntari den hoch verdienten Sieg perfekt.

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