"Es wird nur eine Farbe dominieren, das wird ein Fest in Orange. Die Menschen auf den Rängen werden nur durch ihre Hautfarbe zu unterscheiden sein", betonte der Stürmer der Elfenbeinküste, Bakary Koné, in Anspielung auf die von beiden Teams und Fanlagern bevorzugte Trikotfarbe vor dem zweiten Gruppenspiel gegen die Niederlande an diesem Freitag im Gottlieb-Daimler-Stadion. Dort dürfen die Holländer ihr gewohntes Heimdress überstreifen, den "Elefanten" bleibt hingegen nur das Ausweichtrikot in Weiß.

Ausgerechnet gegen das "Original" wollen die "Niederländer Afrikas" das frühe Aus bei ihrer ersten WM-Teilnahme verhindern. Für die nach der knappen 1:2-Auftaktniederlage gegen Argentinien mit viel Lob bedachten Ivorer hat das Duell Endspiel-Charakter. Gleichwohl geht Trainer Henri Michel mit dem Druck gelassen um. "Wir können noch sechs Punkte holen. Für uns ist jedes Spiel ein Finale. Aber ich denke, wir haben unsere Lektion aus der ersten Partie gelernt", sagte der 58-jährige Franzose, der von seiner Elf gegen den zweimaligen Vize-Weltmeister vor allem mehr Disziplin in der Defensive fordert. Schließlich wurde der ungestüme Sturmlauf dem unerfahrenen Team im ersten WM-Match gegen die cleveren Südamerikaner zum Verhängnis.

"Wir müssen in der Abwehr konzentrierter spielen", sagte Michel auf einer Pressekonferenz am Donnerstag nach der Ankunft in Stuttgart und deutete kleinere Änderungen in der Aufstellung an. "Es ist aber nicht nötig, alles umzubauen." Personalprobleme gebe es keine, Star- Stürmer Didier Drogba habe seine Knöchelverletzung auskuriert. Bei den Niederländern sieht Michel "große Offensiv-Qualitäten", in der Defensive seien sie aber nicht entsprechend stark.

Mehrfach hat Marco van Basten den WM-Neuling beobachtet. Respekt sei da, Angst aber fehl am Platz, sagte der 41 Jahre alte Bondscoach. "Das ist ein gutes Kollektiv mit physisch und technisch starken Spielern, die alle bei großen Teams in Europa unter Vertrag sind. Das wir schwer für uns." Van Basten vertraut der selben Elf, die gegen Serbien-Montenegro 1:0 gewann. Zumal Torhüter Edwin van der Sar seine leichten Wadenprobleme überwunden hat. So muss sich HSV-Profi Rafael van der Vaart weiter gedulden, obwohl er laut van Basten "immer näher an die Mannschaft rückt".

Brisanz birgt das Treffen der zum Auftakt erfolgreichen Torjäger. Beim FC Chelsea agieren der Ivorer Drogba und der Niederländer Arjen Robben Seite an Seite. Nun sind sie Gegner. Eine Sonderbewachung soll Drogba laut van Basten nicht erhalten. "Er ist ein guter Spieler, aber wir werden ihn als Team bekämpfen. Wir wollen das Geschehen diktieren", sagte der "Oranje"-Coach. Der gegen Serbien enttäuschende Ruud van Nistelrooy hofft auf sein erstes WM-Tor. Er soll von den schnellen Kombinationen über die Flügelstürmer Robben und Robin van Persie profitieren, die ihren Streit beigelegt haben. Van Basten stärkt dem Stoßstürmer den Rücken: "Ruud wird wieder der Alte sein."

Viele Akteure kennen sich bestens. Die Abwehrspieler Emmanuel Eboué und Kolo Touré müssen ihren Arsenal-Teamkollegen Van Persie stoppen. Arouna Koné spielt wie Phillip Cocu und Andre Ooijer beim PSV Eindhoven. Und Guy Demel steht wie van der Vaart und Khalid Boulahrouz beim HSV in Lohn und Brot. Fast wäre es sogar zum Familienduell gekommen. Van Basten trieb lange, aber letztlich vergeblich die Einbürgerung von Salomon Kalou voran, dessen Bruder Bonaventure für die Elfenbeinküste stürmt und lange für Feyenoord Rotterdam spielte.