Es war ja vorher viel von einem Krieg die Rede. Der amerikanische Stürmer Eddie Johnson hatte die Weltmeisterschaft mit einem Waffengang verglichen, sein italienischer Gegenüber Vicenzo Iaquinta wollte da nicht nachstehen: "Wenn es für sie Krieg ist, dann wird es das für uns auch sein." Schließlich hatte das US-Team auch noch seine mondäne Herberge in der Hamburger Innenstadt gegen die eher rustikale Unterkunft auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein getauscht, um dort, Bett an Bett mit den richtigen Kriegern, nach der 0:3-Auftaktniederlage gegen Tschechien Inspiration zu suchen.

Um es vorwegzunehmen: Ganz so schlimm ist es am Samstagabend beim Vorrundenspiel Italien gegen die USA in Kaiserslautern dann doch nicht gekommen. Der angekündigte Krieg blieb aus, aber etwas Schlachtenähnliches haftete dieser Partie doch an, die scheinbar friedlich 1:1 endete, und die die Italiener immerhin mit zehn, die Amerikaner nur noch mit neun Mann zu Ende spielten.

Und das kam so: Die Amerikaner begannen das Spiel druckvoll und aggressiv, wiederholt gewannen sie den Ball bereits im Mittelfeld von einer italienischen Elf, die wenig souverän wirkte und dennoch in der 22. Minute in Führung ging. Alberto Gilardino vom AC Mailand traf mit dem Kopf, unhaltbar nach einem Freistoß, den Andrea Pirlo von der rechten Seite vor das Tor der USA getreten hatte. Vier Minuten lang musste man befürchten, dass sich die Geschichte vieler Partien dieser WM wiederholen würde: Ein engagierter, aber wenig zielstrebiger Außenseiter wird sehr nüchtern abgekocht.

Doch dann trat Cristian Zaccardo auf. Ein scharf angeschnittener Freistoß der Amerikaner segelte vor die Füße des italienischen Außenverteidigers. Zaccardo holte mit links aus, um den Ball wegzuschlagen, dabei stolperte er sich den Ball ins eigene Tor. Es war weniger das Tor selbst, als vielmehr die groteske Figur, die Zaccardo dabei abgab, die verriet, dass die Italiener an diesem Tag möglicherweise doch nicht kühl und abgeklärt, sondern seltsam nervös und fahrig auftreten würden.

Noch eine Minute später nahm das Spiel dann endgültig jene Wendung, die es von den Fesseln der gewöhnlichen Dramaturgie befreite. Der junge Römer Daniele de Rossi wähnte sich im Luftkampf mit Brian McBride für einen Augenblick doch wieder im Krieg. Jedenfalls leuchtete nicht nur das Blut, das McBride anschließend über die Wange lief, dunkelrot, sondern auch die Karte, die der gute Schiedsrichter de Rossi für seinen präzisen Ellbogencheck vor dessen Augen hielt.

Elf gegen zehn, auch dieses Spiel dauerte nur bis zur 45. Minute. Denn nun war es der Amerikaner Pablo Mastroeni, der für ein übles Einspringen gegen Pirlo die neue Härte, die die FIFA den Schiedsrichtern verordnet hat, zu spüren bekam und Rot sah. Doch auch dabei sollte es nicht lange bleiben. Zwei Minuten nach der Pause verließ auch Eddie Pope den Platz mit einer gelb-roten Karte, und auch diese Entscheidung ging in Ordnung, auch wenn US-Coach Bruce Arena fassungslos den Kopf schüttelte. Die Amerikaner, so schien es, waren das Opfer ihrer selbst verordneten Aggressivität geworden.

Doch wer damit gerechnet hatte, dass die Italiener beim Spiel zehn gegen neun nun doch überlegen sein würden, sah sich abermals getäuscht. Erst war es Luca Toni, dann der eingewechselte Iaquinta, die wieder und wieder ins Abseits tappten. Was der Mannschaft von Marcello Lippi an diesem Abend fehlte, war genau das, wofür man sie zuletzt hoch geschätzt hat: Ordnung, Souveränität und schließlich eine Idee, wie man den freigewordenen Platz auf dem Spielfeld nutzen sollte. Die USA dagegen blieben selbst mit neun Mann noch erstaunlich gefährlich und sind nun wieder zurück im Turnier.

Am kommenden Donnerstag spielt Italien gegen Tschechien und die USA gegen Ghana. Alle vier Mannschaften können, wenn sie gewinnen, noch weiterkommen. Dem Gruppenzweiten droht allerdings die Höchststrafe – ein Achtelfinale gegen Brasilien.

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