Michael Chang und Ivan Lendl lieferten sich 1989 bei den French Open ein denkwürdiges Tennismatch. Der 17-jährige Chang gewann, von Krämpfen geschüttelt, die Partie, obwohl er nicht mehr die Kraft besaß, Aufschläge von oben zu spielen.
WM 2006, Japan und Kroatien stehen sich in der Gruppe F gegenüber. Beide müssen gewinnen, aber das was auf dem Platz an Dynamik zustande kommt, erinnert an die legendäre Tennisbegegnung. Kraftlose Kroatien schleppen sich über den Rasen, die Japaner sehen kein Stück besser aus. Nach Spielende fallen die Spieler zu Boden und bleiben Luft-japsend liegen. Der Unterschied zwischen den beiden Sportarten liegt auf der Hand - beim Fußball gibt es nicht zwangsläufig einen Gewinner, bei dieser Begegnung sogar zwei Verlierer.

Rückblende: Die Ausgangsposition der beiden Teams vor dem zweiten Spiel der Gruppe F war klar. Sowohl die "Blue Samurai", als auch die kroatische Mannschaft hatten ihr Auftaktspiel verloren und war nun zum Siegen verdammt, wollte man die K.O.-Runde erreichen. Entsprechend offensiv kündigten die Trainer, Zico bei der Japanern und Slatko Kranjcar, ihre Mannschaften an. Am nötigen Willen vor den 90 Minuten lag es mit Sicherheit nicht, nur wollte die Umsetzung auf beiden Seiten nicht gelingen. Weder die Asiaten, noch die Osteuropäer konnten genügend Druck aufbauen, um die Begegnung für sich zu entscheiden. So endete das Spiel leistungsgerecht 0:0.

Die Moderatoren beschreiben das Spiel mit Adjektiven, die den Zuschauern, die die Partie von Ghana gegen Tschechien oder die Schlacht der USA gesehen haben, einen kalten Schauer den Rücken hinunter jagen lassen: langsam, unkonzentriert, behäbig, müde. Nur zwei Mal gibt lohnt es sich, dem Spiel Aufmerksamkeit zu schenken. Bei beiden Szenen steht Japans Torwart Kawaguchi im Mittelpunkt. In der 21. Minute wird Dado Prso im Strafraum gefoult und erhält zurecht einen Elfmeter. Srna tritt an und schießt den Ball ungenau in die linke Ecke. Japans Keeper kann den Ball ins Seitenaus lenken. Nur wenig später kann der Torhüter seine Heldentat mit einem Faux-pas vergessen machen: Eine Rückgabe kann er mit dem Fuß nicht stoppen, die allerdings knapp neben das Tor rollt. Unfreiwillig komisch war in der zweiten Halbzeit das Duell von Japans Nakamura mit Schiedsrichter De Bleeckere aus Belgien. Im Schneckentempo versuchte der Spielmacher - diese Bezeichnung ist leider nicht für dieses Spiel anzuwenden - am Referee vorbei zu gehen, und scheiterte! Eine Spielsituation, die sinnbildlich für diesen müden Kick war.

Nach diesem torlosen Remis, können beide Verbände eine nahe Zukunftsplanung in Angriff nehmen. Das Weiterkommen ist sowohl für Japan, als auch für Kroatien weite Ferne gerückt. Nur das Team mit den Bundesligisten Babic, Simunic und Klasnic könnte im Falle eines Sieges der Brasilianer gegen Australien und einem eigenen Erfolg gegen die Socceroos noch das Achtelfinale erreichen. Doch nach dieser Leistung ist nur schwer an ein Weiterkommen zu glauben. Noch düsterer sieht die Prognose für die Samurais aus. Wollten diese nach dem 23. Juni noch im Turnier sein, müssten sie nicht weniger machen, als im letzten Gruppenspiel den amtierenden Weltmeister zu schlagen. Aussichtslos - nach den aktuellen Eindrücken. Mehr muß man zu diesem öden Spiel nicht sagen. Vielleicht hätte man heute Nachmittag doch lieber Tennis schauen sollen.

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