Mein Tag begann wie jeden Morgen. Ich habe gecheckt, wo ich stehe im ZEIT-online-Gewinnspiel . Insofern begann der Tag ganz schlecht: Abgestürzt von Platz 9 auf Platz 17. Dieses Tippspiel ist reizvoll, weil es viele Kollegen gibt, die sich unter einem Tarnnamen angemeldet haben. Das habe ich auch getan und werde ihn hier nicht verraten. Viele nehmen Phantasienamen, andere spielen mit Namen mehr oder weniger prominenter Fußballer. Wenn die Italiener ein Tor mehr geschossen hätten, wäre ich unter den Top 10 geblieben. Für ein richtiges Ergebnis gibt es vier Punkte, für die Vorhersage des Sieges allein nur einen. Naja, bisher war es ja nicht so schwer, gut zu tippen. Die Favoriten haben sich meistens durchgesetzt.

Am frühen Nachmittag habe ich mich dann auf den Weg gemacht, um das Spiel Brasilien gegen Kroatien in Berlin zu sehen. Übers Internet hatte ich eine Karte zugelost bekommen, die habe ich dann auf meine Frau übertragen. Ich selbst komme ja als akkreditierter Journalist ins Stadion.

Apropos Akkreditierung. Ich bin selten in meinem Leben so beneidet worden, wie um diese Akkreditierung. Zu Recht. Es ist ein tolles Gefühl, die Möglichkeit zu haben, die Spiele zu sehen. Manchmal frage ich mich, warum ich mir für diese Zeit auch noch andere Dinge vorgenommen habe, zum Beispiel die Fertigstellung der neuesten Ausgabe des Magazins ZEIT Geschichte , das während der WM, Ende Juni, mit einem Heft zu Napoleon auf den Markt kommt.

Und für alle, die denken, unsere Teilnahme an den Spielen ist eigentlich bezahlter Traum-Urlaub, erzähle ich mal, wie es weitergegangen ist, heute, auf dem Weg ins Stadion in Berlin.

Erst musste ich eine halbe Stunde in praller Sonne laufen, von der S-Bahn zum Medieneingang. Keine Klagen. Dann musste man etwa eine halbe Stunde Schlange stehen, um anschließend, wie am Flughafen, durchleuchtet zu werden und seine Taschen kontrollieren zu lassen. In München, beim Eröffnungsspiel, musste ich eine vielfach gebrauchte Rasierklinge abgeben. Womöglich lag das daran, dass sie nicht vom Hauptsponsor Gillette, sondern von Wilkinson war. Diesmal ging es glatt. Sodann habe ich bei den freundlichen Menschen der Telekom im Medien-Zentrum einen Flat-Rate-Internetzugang für das gesamte Turnier erstanden - für 460 Euro kann ich nun in allen Medienzentren der Stadien und aus den Pressezentren direkt ins Netz. Natürlich hat's erstmal nicht funktioniert. Am Handy den Systemmanager der ZEIT, am anderen Ohr einen freundlichen Herrn der Telekom: Nach vielen Versuchen und noch mehr Verfluchungen ging es schließlich dann doch. Wieder eine Stunde bezahlter Traumurlaub... Naja, ich merke schon, es wird nichts werden mit dem Mitleid. Muss auch nicht, es macht natürlich in erster Linie einen Riesenspaß.

Im Stadion war es dann, um ehrlich zu sein, ein wenig enttäuschend. Die Brasilianer haben nur das Nötigste getan und das haben auch die Fans gespürt. Die Riesenparty, auf die sich viele gefreut haben, hat jedenfalls nicht stattgefunden. Trotzdem war es natürlich großartig, die Weltstars spielen zu sehen. Aber Kroatien hätte den Ausgleich verdient, da war man sich auf der Pressetribüne einig.

Es ist übrigens sehr überraschend, wie schnell man doch mit den übrigen 72.000 Zuschauern dann wieder weg kommt vom Stadion, mit der S-Bahn natürlich. Meine Frau erzählte, dass sie auf dem Weg ins Stadion mit Freunden bei brasilianischen Temperaturen eine halbe Stunde im Zug feststeckte, ohne eine Durchsage vom Zugführer zu erhalten. Der Horror. Auf dem Rückweg ging's vergleichsweise reibungslos, so dass wir noch kurz vor Mitternacht beim Italiener etwas zu essen bekamen. Und zu trinken natürlich.

Lesen Sie alle WM-Berichte der ZEIT-Mitarbeiter »