In der allgemeinen Fußballethnologie sind Schweden und Paraguay seit jeher Mannschaften ohne scharfes Profil. Die Südamerikaner sind Südamerikaner, nur eben solche ohne Strand. Das Wort Ballzauberer hat noch niemand mit ihnen in Verbindung gebracht, außer vielleicht die Scoutingabteilung des FC Bayern München. Und Schweden? War eine Fußballmacht vor 50 Jahren. Seitdem gelten sie manchmal als Geheimtipp. Außerdem haben sie einen Strand.

In diesem Jahr hieß es, vor allem ihre Offensive müsse man fürchten. Mit Henrik Larsson, Zlatan Ibrahimovic und Frederik Ljungberg stehen gleich drei europäische Spitzenkräfte im schwedischen Team. Larsson und Ljunberg waren erst vor ein paar Wochen Hauptdarsteller im Champions-League-Finale des FC Barcelona gegen Arsenal London. In der WM-Qualifikation hat Schweden durchschnittlich drei Tore pro Spiel geschossen, mehr als jede andere Mannschaft in Europa. Nach ihrem zweiten WM-Auftritt wüsste man gerne, wie es dazu kam. Immerhin, gegen Paraguay erlöste Ljunberg seine Mannschaft mit einem fein herausgespielten Kopfballtor in der 89. Minute. Es war im zweiten Spiel der WM der erste Treffer für Schweden nach bis dahin 178 tor- und trostlosen Minuten.

Dabei hatten Schweden und Paraguay munter begonnen. Drei derbe Fouls der Paraguayer in den ersten fünf Minuten ließen nicht nur ZDF-Reporter Bela Rethy hoffen, es werde "herzhaft zugehen". Auch das Spiel der Schweden mutete zunächst herzhaft an: Hoch und schnell spielten sie nach vorne, wo sie jede Gelegenheit zum Torschuss nutzten. Nach einer Viertelstunde lagen Ljungberg, Källström, Ibrahimovic in der Shots-on-goal-Wertung schon uneinholbar vorne, nur einem Tor, auch das war deutlich geworden, würden sie so nicht näher kommen. Je länger das Spiel dauerte und je besser die Paraguayer ihre Abwehr sortierten, desto mehr steigerte sich Schweden in ein zielloses kick and rush , das eher an eine britische Schülermannschaft erinnerte als an einen WM-Geheimtipp.

Dass Schweden am Ende doch noch zu einem Tor kam, mag man als Ausdruck von Gerechtigkeit betrachten. Tatsächlich hatte ihnen der Schiedsrichter zwei gute Gelegenheiten mit einem falschen Abseitspfiff zunichte gemacht. Und Marcus Allbäck, zur Halbzeit für Ibrahimovic eingewechselt, war in der 59. und 80. Minute nur knapp gescheitert. Paraguays Offensive dagegen blieb 90 Minuten lang auf Einzelaktionen des Noch-Bremers Nelson Valdez beschränkt. Wenn also überhaupt noch eine Mannschaft ein Tor machen würde, so viel war klar, dann müssten es die Schweden sein. Dennoch kam Ljungbergs Kopfstoß kurz vor Schluss überraschend.

Paraguay ist damit vorzeitig ausgeschieden, anders als bei den beiden vorhergegangenen Turnieren, in denen die Südamerikaner es jeweils bis ins Achtelfinale geschafft hatten. Man muss das vorzeitige Aus diesmal nicht bedauern. Die Mannschaft von Trainer Anibal Ruiz ist gut genug, um Mannschaften wie Schweden oder zuvor England Probleme zu bereiten. Sie ist aber längst nicht gut genug, um selbst ein Spiel zu gestalten. Und Schweden? Vielleicht finden die Skandinavier nun doch noch ins Turnier. Im letzten Gruppenspiel gegen England brauchen sie, um sicher weiterzukommen, noch einen Punkt. Als Gruppenzweiter könnten sie auf Deutschland treffen. Oder auf Ecuador. Fürchten muss man sich vor ihnen bis auf weiteres jedenfalls nicht.

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