Dem Krach folgte die Kampfansage: Nach heftigen internen Querelen haben sich die Schweden zusammengerauft und wollen nun Paraguay aus dem WM-Turnier schießen. "Wenn diese Auseinandersetzung überhaupt etwas gebracht hat, dann hoffe ich auf einen positiven Effekt am Donnerstag", sagte Trainer Lars Lagerbäck zum hitzigen Streit zwischen Kapitän Olof Mellberg und Fredrik Ljungberg. Nach dem 0:0 gegen Trinidad und Tobago hatten sich beide in der Kabine wegen verschiedener Spielauffassungen in die Wolle gekriegt. Am Donnerstag in Berlin, wo mehr als 30 000 schwedische Fans erwartet werden, brauchen die Skandinavier nun unbedingt drei Punkte, doch auch der Konkurrent aus Südamerika steht nach dem 0:1 gegen England mit dem Rücken zur Wand.

Auf Initiative einiger Mitspieler haben die Streithähne inzwischen die Friedenspfeife geraucht. Mellberg dementierte jedoch, sich bei Ljungberg entschuldigt zu haben. "Entschuldigt, wofür?", verblüffte er die rund 150 Journalisten bei der Pressekonferenz am Mittwoch im Berliner Hotel Kempinski. "Es gab kein Problem, wir schauen nach vorn und wollen Zweiter in der Gruppe werden", sagte der Kapitän. Um den ersten Sieg in diesem Jahr nach vier Unentschieden und einer Niederlage einzufahren, lässt sich Lagerbäck auch taktische Veränderungen durch den Kopf gehen. "Wir müssen einfach etwas mehr Geduld haben, an einem guten Tag können wir jeden Gegner schlagen. Gegen Paraguay werden wir mehr Spielraum haben", sagt der Trainer und hofft auf mehr Schweden-Power.

Während der von einer Gehirnerschütterung genesene Stammtorhüter Andreas Isaksson ins Tor zurückkehrt, müssen die Latinos für den gesamten Turnierverlauf auf ihren Keeper Justo Villar verzichten, der zum Auftakt gegen England wegen eines Muskelfaserrisses ausgewechselt werden musste. Er wird durch Aldo Bobadilla ersetzt.

Trotz der ungünstigen Ausgangsposition haben sich die Paraguayer lange nicht aufgegeben. "Jetzt haben wir gegen Schweden ein Finale", meinte der lange verletzte und gegen England noch blasse Roque Santa Cruz. Klammheimlich freute sich der Bayern-Stürmer über die magere Auftakt-Nullnummer der Skandinavier gegen Trinidad und Tobago. "Für uns ist noch alles möglich", verbreitet er Optimismus. Auch der für 4,5 Millionen Euro nach Dortmund wechselnde Nelson Valdez stimmt in den Chor der Optimisten ein: "Unsere Chancen stehen 50:50."

Bei den Schweden hat sich Kim Källström mit seinem couragierten Kurzeinsatz als Spielmacher für die Anfangself empfohlen. Für den 23- Jährigen, den Olympique Lyon gerade für acht Millionen Euro kaufte, muss voraussichtlich der sechs Jahre ältere Anders Svensson weichen, der in seiner Heimat in der Kritik steht. Aus der Krise herauskommen will endlich Juventus-Star Zlatan Ibrahimovic, der seit acht Monaten nicht mehr für das "Drei-Kronen-Team" traf. Beim 3:1 am 12. Oktober 2005 gegen Island steuerte er zuletzt ein Tor bei. "Ich habe eine lange Saison gespielt mit Champions League und Pokal. Die Belastung ist hoch, da ist ein Formtief normal", sagt der 24-Jährige und hofft im 40. Länderspiel auf sein 19. Tor.