Die "Bankdrücker" Raul und Fernando Torres haben Spanien als achte Mannschaft vorzeitig ins Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gebracht. Durch späte Tore feierten die Iberer am Montagabend in Stuttgart gegen Außenseiter Tunesien mit 3:1 (0:1) ihren zweiten Vorrundensieg und bauten die Führung in der Gruppe H aus. Nach dem überraschenden 0:1 des Bundesliga-Profis Jawhar Mnari (8.) drohte dem Team von Trainer Luis Aragones zunächst allerdings die erste Länderspiel-Niederlage seit 23 Partien. Erst spät drehten der zur Pause eingewechselte Raul (71.) und Kollege Torres (76./90.-Foulelfmeter) das Spiel doch noch um. Der 22-jährige Fernando Torres ist mit drei Treffern nun der bisher erfolgreichste Torschütze dieser WM.

"Das war heute ein gelungener Einstand für mich. Wir haben lange gebraucht bis zum ersten Tor, aber dann war es am Ende deutlich. Wir haben gezeigt, dass wir auch einen Rückstand wettmachen können," sagte Torschütze Raul.

Zum Gruppensieg genügt den Spaniern, die nicht an ihre Vorstellung beim 4:0 gegen die Ukraine anknüpfen konnten, am Freitag gegen Saudi-Arabien bereits ein Unentschieden. Die Tunesier, die lange Zeit auf ihren ersten WM-Sieg seit 28 Jahren hoffen durften, bringt nur noch ein Sieg gegen die Ukraine eine Runde weiter.

Tunesiens Trainer Roger Lemerre hatte das Mittelfeld verstärkt und opferte mit Yassine Chikhaoui seinen zweiten Stürmer zu Gunsten von Mehdi Nafti. Die Maßnahme machte sich zunächst für die Nordafrikaner bezahlt, die in der 8. Minute für die Torüberraschung sorgten. Die Tunesier blieben bei ihren schnellen Vorstößen sogar noch weiter gefährlich. In der 16. Minute verhinderte Casillas gagen Jaziri weiteren Flurschaden.

Erst in der Mitte der ersten Halbzeit erhöhten die Spanier das Tempo und den Druck, ließen aber im Strafraum weiterhin die Präzision vermissen. Die Möglichkeiten waren spärlich, und sie wurden kläglich vergeben. So verfehlten Kopfbälle von Sergio Ramos (25.) und Luis Garcia (33.) deutlich das Tor. Und was doch in die richtige Richtung flog, wurde zur sicheren Beute von Tunesiens Schlussmann Ali Boumnijel. Als der Keeper doch einmal geschlagen war, rettete Anis Ayari nach einem Kopfball von Xabi Alonso auf der Torlinie (44.).

Obwohl Trainer Luis Aragones der gegen die Ukraine siegreichen Elf vertraut und damit auch den über sein Reservisten-Dasein murrenden Raul wieder auf der Bank gelassen hatte, fanden die Iberer nicht zu ihrem Rhythmus. Erst zu Beginn der zweiten Halbzeit hörte der Coach auf Volkes Stimme und brachte mit Reak Madrids Torjäger Raul und Cesc Fabregas von Arsenal London frische Kräfte ins Spiel, welche das spanische Offensivspiel umgehen druckvoller, aber noch immer nicht durchdachter gestalteten.

In der 71. Minute dann platzte endlich der Knoten: Raul staubte in unnachahmlicher Weise ab, nachdem Tunesiens 40-jähriger Torwart Ali Boumnijel einen Ball nicht festhalten konnte. Fünf Minuten später schloss Torres eine Kombination im Alleingang zum 2:1 ab. Die Spanier hatten die Kontrolle über den Ball so gut wie vollständig zurückerobert und zeigten sich auf dem Platz jetzt vollkommen überlegen. Mit einem in der Nachspielzeit verwandelten Strafstoß machte Torres schließlich alles klar.

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