Das erste Regenmatch dieser WM ist erwartungsgemäß ausgegangen: Saudi-Arabien hat verloren. "Wir brauchen Sonne, um gut zu spielen", hatte der brasilianische Trainer der Saudis, Marcos Paqueta, gesagt, auf trockene Hitze gehofft und noch in der Aufwärmphase nicht auf seine Spieler, sondern in den schieferfarbenen Hamburger Himmel geschaut. Als Antwort auf seine Hoffnung bekam Paqueta kurz vor dem Anpfiff ein kräftiges Gewitter, während des Spiels sackte die Temperatur von schwülen 29 Grad auf nordisch-sommerlich-durchschnittliche 21, und Saudi-Arabien verlor 0:4.

Es war nicht gerade das Spiel, auf das die Fußballwelt immer schon gewartet hat, die geschätzten Kollegen von der Süddeutschen Zeitung spendierten diesem Vorrunden-Knaller nicht mal eine Grafik mit der taktischen Aufstellung. Auf der einen Seite das Kanonenfutter der letzten WM, das von den Deutschen seinerzeit 8:0 abgefertigte Saudi-Arabien, seit nunmehr acht WM-Spielen sieglos. Und auf der anderen Seite das angehende Kanonenfutter dieser WM, die von den Spaniern mit 4:0 demontierte Mannschaft aus der Ukraine, als einer der Geheimfavoriten gestartet, als Luschentruppe unsanft gelandet.

Auch sonst versprach das Ganze, keine große Geschichte zu werden. Saudi-Arabien - eine Mannschaft ohne jeglichen Legionär, die meisten spielen bei Al Ittihad, warum auch nicht, da ist es immer warm, und sogar die Kamele haben ein Entmüdungsbecken, warum sich also beispielsweise in Cottbus oder sonstwo verdingen?

Auch der WM-Neuling Ukraine lieferte bislang nur eine nennenswerte Anekdote - das angeblich zu laute Frösche am Mannschaftshotel für den schlappen Auftritt gegen Spanien verantwortlich waren. Und die Geschichte wurde auch noch von allen vermeintlich Beteiligten umgehend dementiert. Bleiben ein paar gute Fußballer mit einem unerklärlichen Hang zu wasserstoffblondem Haupthaar, die in so aufregenden Städten spielen wie Donezk, Dnjepopetrowsk oder Leverkusen. Dazu der Trainer Oleg Blochin, der noch immer so aussieht wie der erste Kosmonaut seines Landes kurz vor Empfang des Lenin-Ordens. Und die Klitschko-Brüder natürlich, die auf der Tribüne in Hamburg ihre gewaltigen Daumen für ihr Land drückten. Auf dem Platz war der einzige Weltstar Andrej Schewtschenko, bislang Mailand, demnächst London. Aber Bäume hat der auch keine mehr ausgerissen, seit ihm Roman Abramowitsch für 12 Millionen Euro jährlich eine goldene Rente bei Chelsea verschafft hat.

Durch die Qualifikation ist die Ukraine marschiert wie das heiße Messer durch die Butter, und so legten sie auch in Hamburg los. Da nützte den Saudis ihr auffällig langer Beschwörungskreis vor dem Anfpiff auch nix. Auf dem rutschigen Platz landeten gleich ihre ersten Pässe im Aus. Und noch eine Erkenntnis lieferten die ersten Minuten gratis: Der WM-Ball "Teamgeist" lässt bei nassem Boden nicht nur Torhüter schlecht aussehn, wie Jens Lehmann immer mäkelt, sondern auch Feldspieler.

Saudi-Arabiens Torwart Mabrouk Zaid zeigte die erste pulserhöhende Einlage mit Gefummel am eigenen Fünfmeterraum schon nach eineinhalb Minuten. Zwei Eckbälle und eine Minute später folgte auch schon das 1:0 von Andriy Rusol, zwar nur mit dem Knie erzielt, aber gezählt hat's trotzdem. Der tapfere Zaid schien fortan bei jedem Angriff nach seiner Schwimmweste zu fingern und schrieb fleißig an seinem eigenen Kapitel im dicken Buch der chaotischen Torhüter dieser WM.