England kann taktieren, Schweden darf nicht verlieren, Trinidad und Tobago muss siegen und auf Schützenhilfe hoffen. Vor dem letzten Vorrunden-Spieltag in den Gruppen A und B wird nur noch über mögliche Achtelfinal-Konstellationen diskutiert. Gegen wen spielen die Deutschen in der K.o.-Runde? Nimmt England die Schweden mit, oder sorgt der WM-Neuling aus der Karibik für eine Überraschung? Die bereits gescheiterten Fußballer aus Polen und Costa Rica treffen sich in Hannover indes nur noch zum Spiel um die "Goldene Ananas" - "Petersilien-Partie" würden die Polen sagen.

Die deutsche Mannschaft legt mit dem Spiel um Platz eins in der Gruppe A am Dienstag gegen Ecuador vor. Nur ein Sieg in Berlin garantiert den angestrebten ersten Platz. "Wir möchten als Gruppensieger ins Achtelfinale einziehen", betonte Bundestrainer Jürgen Klinsmann noch einmal. Die Statistik spricht für die Deutschen: Von 15 Begegnungen gegen südamerikanische Mannschaften bei WM-Endrunden wurden nur zwei verloren.

Nach dem bisherigen Turnierverlauf liegt allerdings ein Erfolg Ecuadors nahe: Die "Tri" ist nach den Siegen gegen Polen und Costa Rica noch ohne Gegentor. "In der WM-Qualifikation haben wir zu Hause Argentinien und Brasilien besiegt. Jetzt wollen wir auch Deutschland bezwingen. Nur wenn man gegen die Großen gewinnt, kann man von sich behaupten, guten Fußball zu spielen", erklärte Trainer Luis Suárez und fügte warnend hinzu: "Wir wollen nicht herum taktieren. Wenn wir auf Remis spielen, verlieren wir vielleicht." Torjäger Carlos Tenorio fällt wegen einer Knöchelverletzung wahrscheinlich aus.

Während der deutsche Kapitän Michael Ballack trotz drohender Gelbsperre beim Gruppenfinale unbedingt spielen will, baut Englands Trainer Sven-Göran Eriksson in der Gruppe B gegen Schweden vor. Die bereits verwarnten Steven Gerrard und Peter Crouch werden geschont. Dafür wird der nicht mehr fußlahme Wayne Rooney sein erstes WM-Spiel von Beginn an bestreiten und neben Michael Owen stürmen. Auch Bayern Münchens Owen Hargreaves darf mitmischen.

Den "Three Lions" würde ein Punkt zum Gruppensieg reichen, doch angeblich treibt den nach der WM scheidenden Eriksson gegen seine Landsleute der Ehrgeiz. "Bevor ich aufhöre, will ich gegen Schweden gewinnen", sagte er. Vor vier Jahren in Asien gab es nur ein 1:1. Der letzte Sieg von England gegen Schweden liegt 38 Jahre zurück. Wie ernst Eriksson seine Ankündigung meint, wird man sehen. Da die Engländer in Köln erst um 21.00 Uhr spielen, könnten sie auf den Endstand in der Gruppe A reagieren und sich den Achtelfinal-Gegner aussuchen.

In der komfortablen Lage sind die Schweden nicht. Fürs Weiterkommen muss mindestens ein Unentschieden her. Doch Trainer Lars Lagerbäck mag die Rechenspiele nicht. "Ecuador mag leichter sein, weil Deutschland die eigenen Fans im Rücken hat. Aber das ist uns wirklich egal. Wichtig ist ein Sieg gegen England", sagte er. Stürmer Zlatan Ibrahimovic fällt wegen einer Adduktorenzerrung "mit ziemlicher Sicherheit" aus.

Während die Schweden sich ganz auf sich selbst konzentrierten, bettelte WM-Neuling Trinidad und Tobago um Schützenhilfe. Vor dem Spiel in Kaiserslautern gegen das bereits gescheiterte Paraguay bombardierte Kapitän Dwight Yorke seine früheren Mitspieler aus England mit SMS-Nachrichten und Anrufen. "Es muss einfach klappen. Es ist wirklich aufregend, dass unser kleines Team noch Chancen hat, während höher eingeschätzte Mannschaften schon raus sind", sagte der frühere Profi von Manchester United.

Bei einem eigenen Erfolg und einem hohen englischen Sieg gegen Schweden könnten die Karibik-Kicker die Sensation perfekt machen, dafür müssten aber die ersten WM-Tore her. Sogar ein Los-Entscheid ist möglich. Trotz der spannenden Konstellation strahlte Trainer Leo Beenhakker Gelassenheit aus: "Wir müssen Paraguay schlagen, dann werden wir sehen." Beim ebenfalls noch torlosen Gegner wird Trainer Anibal Ruiz im Anschluss an das Spiel wohl zurücktreten. Aber er versprach: "Wir werden bis zum letzten Augenblick alles geben und versuchen, unsere Ehre wieder herzustellen."