Washington- Eine "Verschwörung" glaubt die amerikanische Bundespolizei in Miami aufgedeckt zu haben. Sieben junge Männer wurden am Freitagnachmittag in Miami einem Richter unter dem Verdacht vorgeführt, Amerikas dritthöchstes Bürohaus in Chicago und das FBI-Gebäude in Miami in die Luft sprengen zu wollen. Die Gruppe habe der radikalmuslimischen Terrorgruppe al-Qaida Treue geschworen. Hat Amerikas Sicherheitsapparat fünf Jahre nach dem 11. September 2001 also einen erneuten Massenmord vereitelt?

Die sieben Männer sollen jung sein, Teens oder Twens, fünf Amerikaner, zwei Einwanderer, alle mit karibischen Wurzeln. Sie trafen sich in einer fensterlosen Lagerhalle in einem heruntergekommenen Teil Miamis. Der Mann, der als Anführer verdächtigt wird, heißt Narseal Batiste. Spitzname: "Brother Naz" und "Prince Manna". Laut Anklageschrift wollte die Gruppe "einen totalen Bodenkrieg" gegen die Vereinigten Staaten führen, "so viele Teufel wie möglich töten" und dabei "genauso großartig sein" wie die Terroristen von Septembers 2001. Als Ziele seien der Sears Tower in Chicago und die regionale Zentrale der Bundespolizei FBI in Florida auserkoren gewesen. Die Gruppe soll Kontakt aufgenommen haben mit einem vermeintlichen Al-Qaida-Mitglied, sich mit ihm in der Lagerhalle getroffen und Armee-Boots, Ferngläser, Waffen und Geld bestellt haben.

Geliefert wurden nach ersten Berichten Kameras und Boots. Und zwar von dem Al-Qaida-Mann, der sich aber als Informant der Polizei entpuppte. So scheint es zu Verhaftung und Anklage gekommen zu sein.

Genau an dieser Stelle beginnen die Merkwürdigkeiten. Die wichtigste Frage lautet: Was haben die Behörden gegen die Verdächtigen in der Hand? Das FBI sagt, dass man das Komplott sehr früh aufgedeckt habe. Es sei "mehr ein Bestreben" gewesen und noch nicht "in eine operationelle Phase" eingetreten. Justizminister Alberto Gonzales lobt die Strafverfolgungsbehörden, gerade weil sie so früh eingriffen. Das sei notwendig gewesen, denn "wir wissen ja nicht, was wir nicht wissen".

Diese Formulierung scheint sich Gonzales von seinem Kabinettskollegen Donald Rumsfeld geborgt zu haben. Der benutzte sie vor der Invasion im Irak immer gerne. Dahinter steckte die Vermutung, dass man bei Bösewichten (wie Saddam Hussein) immer mehr finden werde, als man vorher vermuten kann. Dass sich diese Annahme im Irak nicht bestätigte, muss kein Omen für Miami sein. Allerdings scheint klar: Viel mehr als Ideen und Absichtserklärung scheint es nicht gegeben zu haben, jedenfalls haben die Behörden nicht mehr öffentlich gemacht.

Die Ideen wurden gegenüber einem Undercover-Agenten geäußert. Aber wer war dieser Agent? Hat er nur brav protokolliert? Genau das bezweifelt Paul Callan, ein früherer Bundesanwalt. Nach seiner Lesart der Anklageschrift war es der Informant selbst, der vorschlug, einen Eid auf al-Qaida abzulegen. Callan sieht in dem Informanten den "Initiator" diverser "Ideen". Er sei zumindest ein "aktiver Informant" gewesen. Ob der Mann "die Linie" zum Provokateur überschritten habe, kann Callan noch nicht beurteilen. Diese Linie sei ohnehin schwer zu bestimmen.