Kurz nach dem Abpfiff kam eine Mail aus San José, Costa Rica: Das kleinere Übel habe gewonnen, Argentinien, und nicht die arroganten Mexikaner. Costa Rica, man erinnert sich, ist ein kleines Land. Und war auch WM-Teilnehmer, doch eher Farbtupfer denn ernstzunehmender Gegner, vom deutschen Abwehrverbund einmal abgesehen. In der Hauptstadt San José jedenfalls fieberte man mit Argentinien. Vielleicht auch, weil seit der argentinischen Wirtschaftskrise viele junge Argentinier kamen, als Barkeeper zum Beispiel. Aber wohl auch, weil Mexiko chronisch jede Qualifikationsgruppe Nord- und Mittelamerikas vor Costa Rica abschließt. Und weil die mexikanische Presse Costa Rica unaufhörlich als fußballerische Bananenrepublik darstellt, sich selbst dagegen jedes Mal zum Titelaspiranten kürt.

Doch so schlecht und unansehnlich Mexiko bisher auch gespielt haben mag, Häme war diesmal unangebracht. Mexiko stellte Argentinien vor einige Probleme, bis in die Verlängerung. Waren Gegner wie Angola letztlich doch besser als gedacht, oder sind die Aztekenkicker so sehr von Sturmkönig Jared Borgetti abhängig? Der war überraschenderweise wieder fit und machte sogleich viel Dampf auf dem Feld. Erhaben spielt er, thront fast majestätisch in der Luft, und auch diesmal war er wieder stark. Trotzdem traf er nur ins eigene Netz, zum Ausgleich.

Mexikos Trainer La Volpe hatte sein Team glänzend eingestellt. Die Defensive stand sicher, das Kurzpassspiel war elegant. So musste man sich dann weniger Sorgen machen um das mexikanische Tor, als eher um den Puls des Extremkettenrauchers La Volpe, dem das Rauchverbot in den Stadien schwer zu schaffen macht. Vielleicht auch deswegen betritt der gebürtige Argentinier das Feld immer erst mit dem Anpfiff.

Den Dampf lieferten dann die Spieler – keine Sekunde verloren beide Teams auf dem Rasen. Sie stürmten los wie die Feuerwehr. Borgetti hätte schon nach zwei Minuten die Führung einköpfen können. Das besorgte dann Marquez in der sechsten Minute, gefühlt war es die zwanzigste, ob der vielen Torszenen, die es bis dahin schon gegeben hatte.

Man merkte, die WM beginnt mit den Finalrunden erst richtig. Auch die Kulisse war auf beiden Seiten weltmeisterlich. Leider aber entsprach die Leistung des Schiedsrichtergespanns dem nicht ganz. Fast jede zweite Abseitsentscheidung war verkehrt. Und als kurz vor Pause Argentiniens Innenverteidiger Heinze den Mexikaner Fonseca als letzter Mann und ohne jede Chance auf den Ball fällte, beanspruchte Schiedsrichter Busacca einen Ermessensspielraum, den es in solchen Situationen nicht gibt – und gab nur Gelb.