Mexiko soll im Lateinamerika-Klassiker nicht zum Stolperstein für den WM-Topfavoriten Argentinien werden. "Bislang musste Mexiko bei dieser WM hart kämpfen, um weiterzukommen. Außerdem wissen sie genau, wofür Argentinien steht", gab sich José Pekerman, Trainer des zweimaligen Weltmeister aus Südamerika, ungewohnt selbstbewusst. Grund dazu hat er, nachdem die "Albiceleste" in der Gruppenphase überzeugte. Dagegen zog die mexikanische Mannschaft nur mit Mühe und Not ins Achtelfinale an diesem Samstag in Leipzig, das am Samstag um 21 Uhr angepfiffen wird, ein. "In diesem Spiel gibt es keinen Favoriten, und ich glaube, das liegt uns", behauptete der in Buenos Aires geborene Mexiko-Coach La Volpe. Er hofft vor allem auf den wieder genesenen Torjäger Jared Borgetti.

Ausschlag gebend über Triumph oder Trauer wird aber vor allem das Duell zwischen Argentiniens Spielmacher Juan Román Riquelme und Mexikos Fußball-Held Rafael Marquez sein. Der Profi vom Champions- League-Gewinner FC Barcelona soll den genialen Gestalter der "Gauchos" neutralisieren. "Wir haben noch große Hoffnungen. Ich bin bereit, Fußball-Geschichte zu schreiben", betont Marquez und will mit Mexiko zum ersten Mal den Sprung unter die besten Vier schaffen, nachdem 1970 und 1986 das Viertelfinale Endstation gewesen war. Vor einer Manndeckung für Riquelme fürchten sich die Argentinier aber nicht. "Er hat die Qualitäten, damit fertig zu werden", sagte Trainer Pekerman. Das habe Riquelme bereits gezeigt. Zudem könne die Mannschaft dies kompensieren.

"Wir denken von Spiel zu Spiel", betonte Roberto Ayala und gibt einen Hinweis, dass die Südamerikaner noch keinen Gedanken an Deutschland als möglichen Gegner in der Runde der besten Acht verschwenden. Mit 102 Einsätzen ist er erfahrenster Akteur im schwer auszurechnenden Pekerman-Ensemble. Gegen die Mexikaner dürfte sein Coach weitgehend wieder der Formation vertrauen, die in den ersten beiden Gruppenspielen gegen die Elfenbeinküste und beim 6:0-Spektakel gegen Serbien-Montenegro beeindruckt hatte.

Das bedeutet: Der bislang zweimalige Torschütze Hernán Crespo sowie Javier Saviola kehren in den Angriff zurück, die ebenfalls schon einmal erfolgreichen Lionel Messi und Carlos Tevez nehmen auf der Bank Platz. Hoffnung besteht nun doch wieder im Fall von Rechtsverteidiger Nicolas Burdisso, der an einer Bänderverletzung laboriert. "Wir wollen die Zeit noch abwarten", betonte der Coach 24 Stunden vor dem Match. Das gelte auch bei Mittelfeldspieler Luis Gonzalez. Die Aufstellung wird Pekerman wie schon gegen die Niederlande erst im Stadion mitteilen.

Dessen ungeachtet haben die Mexikaner, die in den vergangenen vier Partien nur zwei Mal denkbar knapp verloren, einmal Unentschieden spielten und einen Sieg einfuhren, Angst vor den argentinischen Attacken. "Sie haben ein paar tolle Stürmer. Die werden nicht leicht zu stoppen sein", gab Marquez zu. Gastarbeiter La Volpe beruhigte aber: "Argentinien ist vielleicht die Mannschaft, die wir am besten kennen, und es wird keine Überraschungen und auch keine großen Unterschiede geben."

Einen Unterschied zu ihrem auch bei der Nullnummer gegen die Niederlande eine Halbzeit lang weltmeisterlichen Auftritt wollen die Argentinier aufzeigen. "Wir wissen, was noch zu verbessern ist", betonte Keeper Roberto Abbondanzieri. Mit ihrer Rolle haben die Argentinier keine Probleme. "Wir sind die Favoriten", sagte Ayala, der sich zusammen mit Gabriel Heinze dem mexikanischen Goalgetter Borgetti annehmen wird, der nach einer Wadenverletzung bislang nur 51 Minuten bei dieser WM zum Einsatz gekommen war.

Daneben wird mit Guillermo Franco, wie Trainer La Volpe ebenfalls ein Argentinier, für Mexiko kämpfen. Der Angreifer war 2002 ins Land der Azteken gezogen und wurde kürzlich erst eingebürgert. Er stellte klar: "Die Argentinier sind immer Favorit." Doch auch wenn Abbondanzieri mit Gelassenheit in die Partie geht, warnte Coach Pekerman vor zu viel Übermut: "Keiner darf glauben, dass Mexiko ein leichter Gegner wird."
Spätestens um Mitternacht wissen wir, wie viele Argentinier im Viertelfinale stehen.