Rekord-Champion Brasilien hat die Traumreise der "Black Stars" aus Ghana beendet, den Nachweis seiner Titelreife aber erneut nicht antreten können. Ohne Glanz und Gloria zog das Starensemble am Dienstag in Dortmund mit dem zu hoch ausgefallenen 3:0-Erfolg über den letzten afrikanischen Vertreter ins WM- Viertelfinale ein. Ronaldo, der mit seinem 15. Treffer "Bomber" Gerd Müller als besten WM-Torschützen ablöste, Adriano mit dem 200. Endrunden-Tor für den Titelverteidiger und der Noch-Münchner Ze Roberto entschieden vor 65 000 Zuschauern eine Partie, in der das Team von Carlos Alberto Parreira die erwartete Fußball- Sambashow einmal mehr schuldig blieb. Während die "Selecao" ihre Bestmarke auf elf WM-Siege nacheinander ausbaute und im Viertelfinale am Samstag in Frankfurt auf den Gewinner des Duells Spanien - Frankreich trifft, trägt der Schwarze Kontinent Trauer. Die unglückliche Niederlage der Ghanaer, die in der 81. Minute Asamoah Gyan durch die Gelb-Rote Karte verloren, beendete Afrikas Hoffnung, nach 1990 (Kamerun) und 2002 (Senegal) zum dritten Mal in der Runde der letzten Acht vertreten zu sein. Nach eher durchwachsenen Leistungen in der Gruppenphase hielten die Brasilianer zum Start in die K.o.-Runde dem Erwartungsdruck zwar Stand, auf spielerische Glanzlichter von Ronaldinho und Co. warteten die Fans aber wieder vergeblich. Dabei hätte die Partie für den fünfmaligen Champion besser nicht beginnen können. Das bisher schnellste Führungstor der "Selecao" markierte zugleich einen historischen Moment. Als Ronaldo nach 4:43 Minuten einen Traumpass von Kaka aufnahm, Torhüter Richard Kingston umspielte und den Ball zu seinem 15. WM-Treffer ins leere Tor schob, war Gerd Müllers seit 32 Jahren bestehende Bestmarke ausgelöscht. Ghanas Abwehr hatte vergebens auf eine Abseitsstellung des Schützen spekuliert. Das frühe Tor gab dem Favoriten jedoch keine Sicherheit, sondern verleitete ihn eher zu Leichtsinn und Überheblichkeit. Nachdem die Afrikaner ihren Respekt und die Nervosität abgelegt hatten, wurden sie zu einem gleichwertigen Gegner, der lediglich im Abschluss Defizite offenbarte. So verpasste der Dortmunder Matthew Amoah in seinem Heimspiel zwei gute Gelegenheiten zum Ausgleich. Mit einer Riesenportion Glück vereitelte Torhüter Dida vier Minuten vor der Pause den eigentlich fälligen Ausgleich, als er einen Kopfball von John Mensah aus kurzer Distanz mit dem Fuß parierte. Nicht nur in diesen Szenen präsentierte sich Brasiliens Innenverteidigung mit den Bundesliga-Profis Lucio und Juan anfällig und wenig souverän. Aber auch im Angriff lief es längst nicht rund. Adriano war kein vollwertiger Ersatz für den verletzt fehlenden Robinho und bewegte sich häufig schlecht. Dennoch gelang ausgerechnet dem Angreifer von Inter Mailand in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit das zu diesem Zeitpunkt nicht verdiente 2:0, als er eine Flanke von Cafu in Abseitsposition mit dem Oberschenkel ins Tor bugsierte. Das Publikum, dessen Sympathien schon vorher dem Außenseiter galten, verabschiedete die Stars in Gelb und Blau mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Pause. Nach einem heftigen Disput mit Lubos Michel wegen dieses umstrittenen Treffers wurde Ghanas Trainer Ratomir Dujkovic vom slowakischen Unparteiischen für die zweite Spielhälfte auf die Tribüne verbannt. Aus erhöhter Position sah der Coach, dass in seinem Team der gelb-gesperrte Führungsspieler Michael Essien weiterhin kaum vermisst wurde. Denn die "Black Stars" reagierten keineswegs geschockt auf den Rückstand und besaßen in Kapitän Stephen Appiah einen unermüdlichen Antreiber. Während die Ghanaer sich eifrig, aber vergeblich um den Anschluss bemühten, begnügten sich die Brasilianer mit gelegentlichen Kostproben ihres fußballerischen Könnens. In der 57. Minute prüfte Roberto Carlos Ghanas Keeper Kingston, auf der Gegenseite musste Dida bei Schüssen von Gyan und Amoah richtig zupacken. Sechs Minuten vor dem Ende machte dann Ze Roberto alles klar.

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