Nach jedem Spiel bei dieser Weltmeisterschaft wird, präsentiert von einem der Sponsoren, der "Player of the match", der "Spieler des Spiels" ausgezeichnet. Meistens wird der Akteur geehrt, der die meisten Tore erzielt hat, wahlweise auch der mit dem prominentesten Namen. Alles in allem also eine mehr als fragwürdige Angelegenheit. Nach dem Spiel gegen Schweden wurde weder der zweifache Torschütze Lukas Podolski noch der prominenteste deutsche Spieler, Michael Ballack, geehrt. Der schmucklose Bierkrug wurde während der anschließenden Pressekonferenz Miroslav Klose überreicht. Man kann die Stifter zu dieser Entscheidung nur beglückwünschen. Wollte man das kleine Wunder vom Erreichen des Viertelfinales mit einem Namen versehen, er hieße Klose.

Fast alles, was den ungefährdeten und dennoch in der zweiten Halbzeit merkwürdig wackeligen 2:0-Sieg gegen das schwedische Team ausmachte, war mit seinem Namen verbunden. Nicht nur bediente er seinen schutzbefohlenen Stürmerkollegen Podolski zweimal mustergültig vor dessen beiden Treffern. Klose war es auch, der immer anspielbar war, der sich bis zum Schluss in Zweikämpfen aufrieb und damit einer der wenigen deutschen Spieler war, die auch in den zweiten 45 Minuten noch durchgängig konzentriert zu Werke gingen. Schon jetzt ist Klose ein  Gewinner dieser Weltmeisterschaft, was auch daran zu erkennen ist, dass sein Vereinsmanager Klaus Allofs von Werder Bremen ohne Not auf Kloses "Unverkäuflichkeit" hinweist.

Zurück zum Spiel. Schon zum dritten Mal nach den Frühstarts gegen Costa Rica und Ecuador erwischte Klinsmanns Team einen Traumstart. Mit großartigen Kombinationen wirbelten sie besonders über die von Bernd Schneider befeuerte rechte Seite die Abwehr der Skandinavier durcheinander. Fast zwangsläufig führte dies in der 4. Minute, nachdem Klose nicht weniger als drei Gegenspieler auf sich gezogen hatte, zum 1:0 durch Lukas Podolski. In seiner Entstehungsgeschichte ähnlich schloss sich acht Minuten später das zweite Tor an. Dass die deutsche Mannschaft nicht aussichtslos in dieses Spiel gehen würde, da waren sich die Fachleute zuvor einig gewesen. Dass sich aber nach einer geradezu spektakulären ersten Viertelstunde eine 2:0-Führung einstellte, das übertraf selbst die kühnsten Erwartungen.

Umso erstaunlicher, dass die Linie nach einer halben Stunde verloren ging. Es schien, als seien sich vor allem die jungen Spieler mit einem Male klar geworden: Hallo, jetzt ist wirklich WM. Von nun an gibt es Prämien, wir haben das Viertelfinale vor Augen. Jürgen Klinsmann führte auf der anschließenden Pressekonferenz den Moment des Platzverweises des schwedischen Innenverteidigers Teddy Lucic in der 35. Minute als einen Augenblick ins Feld "wo wir kurioserweise unsere Linie verloren haben". In Überzahl habe man sich neu formieren müssen, dies sei indes nicht gelungen. In der Tat musste man immer wieder die gelben Männer auf dem Feld durchzählen, um Gewissheit zu erlangen, dass hier wirklich eine Mannschaft in Unterzahl spielte. Weder körperlich noch taktisch konnten die Deutschen ihre zahlenmäßige Überlegenheit ausspielen. Es wirkte in der zweiten Hälfte so, als habe einer das Licht abgedimmt. Die Pässe kamen nicht mehr an, gelegentlich schien es fast so, als habe sich eine gewisse Überheblichkeit eingeschlichen.