Dank eines Elfmeters in den letzten Sekunden vor dem Ende hat Italien das mögliche WM-K.o. vermieden und doch noch den Einzug ins Viertelfinale geschafft. Francesco Totti verwandelte den Strafstoß in der fünften Minute der Nachspielzeit zum glücklichen 1:0 (0:0)-Sieg gegen Australien. Nach einer roten Karte gegen Marco Materazzi in der 50. Minute hatte Italien am Montag vor 46.000 Zuschauern in Kaiserslautern fast eine Halbzeit lang in Unterzahl gespielt. Am Ende durfte die "Squadra Azzurra" doch noch die Revanche an Australiens Trainer Guus Hiddink bejubeln. Der hatte 2002 mit Südkorea Italien aus dem Turnier geworfen.

"Das war ein K.o. in letzter Sekunde. Natürlich bin ich enttäuscht, aber ich kann stolz sein auf die Jungs, die eine tolle WM gespielt haben. Der einzige Vorwurf, den man uns machen kann, ist, dass wir das Tor nicht geschossen haben. Das unterscheidet uns von einem Team wie Italien," sagte Hiddink.

Die Entscheidung von Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo aus Spanien kam wie ein Donnerschlag für die Australier – und war eine unerhoffte Befreiung für die Italiener, die sich schon längst auf das Elfmeterschießen am Ende der Verlängerung eingestellt hatten.

"Es ist eine unglaubliche Freude, ich bin überglücklich. Dieses Spiel hatte alles, was ein Spiel haben kann. Ich hatte keine Angst auszuscheiden. In der ersten Halbzeit haben wir nichts zugelassen und vier Chancen gehabt. In Unterzahl hatten wir zu leiden, aber haben auch nur wenige Chancen zugelassen" erklärte der italienische Trainer Marcello Lippi.

"Die Enttäuschung ist sehr groß, wenn man sieht, wie gut wir gespielt haben. Wir waren in der zweiten Halbzeit die klar bessere Mannschaft. Unser Problem war aber, dass wir kein Tor gemacht haben," sagte der australische Keeper Mark Schwarzer.

"Wir lassen uns von Australien nicht überraschen", hatte Totti selbstbewusst angekündigt. Die erste böse Überraschung erlebte der Mittelfeld-Akteur vom AS Rom aber schon vor Spielbeginn. Trainer Marcello Lippi - in Sachen Aufstellung ohnehin ein Geheimniskrämer - vertraute nicht ihm, sondern dem defensivstärkeren Alessandro Del Piero die Spielmacher-Rolle an. Ebenso unerwartet stand im Angriff auch Luca Toni, gegen Tschechien nur Ersatz, wieder in der Startelf.